Treffen mit Kim Jong-un Es könnte Trumps größter Triumph werden

US-Präsident Donald Trump will sich mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un treffen.

(Foto: AFP)

Ein Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim könnte für den US-Präsidenten die Chance sein, seine Kritiker zu widerlegen. Aber der Weg zu einem dauerhaften Frieden ist noch weit.

Kommentar von Thorsten Denkler, New York

Es ist noch viel zu früh, die Frage zu beantworten, ob das jetzt ein außenpolitischer Erfolg für US-Präsident Donald Trump ist. Oder ob irgendeine Art von Hoffnung mit einem Treffen zwischen ihm und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un verbunden werden kann. Vielleicht will der Trump ja auch nur an der Nase herumführen, ihn bloßstellen. So wie es Trump auch schon gemacht hat, als er Kim Jong-un auf Twitter als "klein und fett" bezeichnete.

Und doch: Es ist etwas in Bewegung gekommen in dem Verhältnis Nordkoreas mit seinem Nachbarn Südkorea, mit den USA, mit dem Rest der Welt. Ein gemeinsames koreanisches olympisches Team (im Frauen-Eishockey). Diplomatische Treffen auf höchster Ebene. Und jetzt das: Kim Jong-un will reden. Mit Trump. Und diesen Redebedarf hat ein südkoreanischer Emissär jetzt in Washington offenbar derart glaubhaft vermittelt, dass Donald Trump sich bereiterklärt hat, der Einladung von Kim Jong-un zu folgen.

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Zuvor hatte Südkoreas nationaler Sicherheitsberater eine entsprechende Gesprächseinladung Nordkoreas übermittelt. Im Gespräch mit Südkorea soll sich Kim jüngst bereit erklärt haben, sein umstrittenes Atomprogramm einzustellen.

Angeblich ist Nordkorea bereit, seine Raketen- und Atomwaffentests bis auf Weiteres auszusetzen. Und womöglich sogar ganz auf sein Nuklearwaffen-Programm zu verzichten, wenn es als Gegenleistung Sicherheitsgarantien bekommt.

Sollte es zu dem Treffen kommen, ist das - so zynisch es klingen mag - vor allem ein Erfolg von Kim Jong-un. Er hat die Welt mit immer neuen Tests immer stärkerer Raketen in Atem gehalten. Die jüngsten Versuche haben gezeigt, dass Nordkorea nicht weit davon entfernt ist, mit seinen Raketen US-amerikanisches Festland zu erreichen. Der Test einer Wasserstoffbombe im vergangenen Herbst hat erahnen lassen, wohin der Konflikt führen kann, wenn er weiter eskaliert.

Die Bedrohung war und ist real

Die Welt schien an der Grenze zu einer atomaren Auseinandersetzung zu stehen. Manche vermuteten, dazu wäre nicht viel mehr nötig gewesen als ein besonders übel gelaunter US-Präsident oder ein außergewöhnlich missmutiger nordkoreanischer Diktator. Mit Trump und Kim haben zudem gleich zwei Politiker direkten Zugang zu Atomwaffen, von denen nicht klar ist, ob sie verantwortungsvoll mit dieser Macht umzugehen wissen.

Die Bedrohung war und ist real. Kim Jong-un hat sein Regime damit erstmals in eine Verhandlungsposition gebracht, die direkte Gespräche mit einem US-Präsidenten ermöglicht.

Es lässt sich schwer sagen, ob die neue Gesprächsbereitschaft Nordkoreas mit der Einsicht zu tun hat, dass ein atomarer Konflikt für Nordkorea niemals zu gewinnen sein wird. Oder damit, dass der Regierung in Pjöngjang so langsam das Geld für ihr teures Atomprogramm ausgeht. Die USA haben mit diplomatischer Hartnäckigkeit die Sanktionsschraube in den vergangenen Monaten immer fester angezogen. Es hätte an ein Wunder gegrenzt, wenn das Regime davon dauerhaft unbeeindruckt geblieben wäre.

Für Trump können die Gespräche, sollten sie denn tatsächlich stattfinden, zu einem Triumph werden. Wenn er Kim Jong-un eine dauerhafte Friedenslösung abringt, die zur nachweislichen Denuklearisierung des Landes führt, dann hat er tatsächlich mehr erreicht als viele US-Präsidenten vor ihm. Es wäre ein echter Beitrag zum Weltfrieden. Dann hat ihm die Geschichte recht gegeben mit seiner Strategie, wonach nur unbedingte Härte zum Frieden führen kann.

Allerdings würde das ein teurer Deal werden. Kim Jong-un wird seinen Landsleuten schwerlich vermitteln können, dass er, der gottgleiche Landesvater, der wahre Sieger ist, wenn er am Ende nichts in den Händen hält. Das ist seit Jahrzehnten Nordkoreas Strategie gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft. Erst eine beängstigende Drohkulisse aufbauen. Und dann gegen viel Geld einlenken.

Wenn es wieder so kommt, dann war dies nur ein Nordkorea-Konflikt von vielen. Trump und Kim haben jetzt die Chance, diese Spirale ständig neuer Drohungen zu durchbrechen. Nordkorea ist bettelarm. Es braucht dauerhafte und nachhaltige Unterstützung. Dies könnte ein Ansatz sein. Mögen Trump und Kim das ähnlich sehen.

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