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Koreanische Halbinsel:Südkorea meldet Sprengung von Verbindungsbüro durch Nordkorea

Das Gebäude stand in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong. Pjöngjang hatte zuvor bereits mit militärischen Schritten gedroht. Es ist die schwerste Krise seit Jahren zwischen beiden Ländern.

Nordkorea hat nach südkoreanischen Angaben das innerkoreanische Verbindungsbüro in der Grenzstadt Kaesong gesprengt. Die Sprengung sei am Nachmittag um 14.49 Uhr (Ortszeit) erfolgt, sagte eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul.

Das Gebäude befand sich knapp nördlich der Grenze zwischen den beiden Staaten. Auf Bildern der Nachrichtenagentur Yonhap war zu sehen, wie Rauch offenbar von einer Gebäudeanlage emporsteigt. Die Gegend sei Teil eines inzwischen geschlossenen Industrieparks gewesen, in dem sich das Verbindungsbüro befunden habe, berichtete die Nachrichtenagentur.

Die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea hatten in den vergangenen Tagen zugenommen. Es ist der schwerste Konflikt seit Jahren zwischen beiden Ländern. Die kommunistische Führung in Pjöngjang hatte bereits unter anderem mit dem Rückzug aus einem bilateralen Militärabkommen von 2018 über vertrauensbildende Maßnahmen und auch mit der Schließung des Verbindungsbüros gedroht. Auch kappte Nordkorea die Kommunikationsleitungen zum Süden.

Im Norden fiel besonders Kim Yo-jong durch Drohungen auf. Die jüngere Schwester des Staatschefs Kim Jong-un, die im nordkoreanischen Machtapparat für Propaganda zuständig ist, gewinnt offensichtlich an Einfluss.

"Ich habe das Gefühl, es wird höchste Zeit, mit den südkoreanischen Behörden zu brechen", sagte sie vor Kurzem in der Zeitung Rodong Sinmun, dem Zentralorgan der Partei der Arbeit Koreas, und fügte hinzu: "Das Recht, die nächste Aktion gegen den Feind zu unternehmen, wird dem Führungsstab unserer Armee übergeben."

Ballons mit einer halben Million Flugblätter

Nach einer Propagandaflugblatt-Aktion südkoreanischer Aktivisten drohte das kommunistische Land im Norden, bereits "entmilitarisierte" Zonen an der Grenze wieder mit Soldaten zu besetzen. "Unsere Armee beobachtet die Lage genau, in der sich die innerkoreanischen Beziehungen zusehends verschlechtern", teilte die Armeeführung des international isolierten Landes mit.

Es würden Pläne der Regierung und der Partei geprüft, wonach die Armee wieder in Zonen vorstoßen könne, die unter dem Abkommen zwischen den beiden Ländern entmilitarisiert worden seien, wurde der Generalstab von den Staatsmedien zitiert. Auch deutete er an, die Volksarmee könnte ihrerseits Flugblätter nach Südkorea schicken. Den Plänen zufolge soll die Frontlinie in eine Festung verwandelt und die militärische Wachsamkeit gegenüber Südkorea weiter erhöht werden. Details zu den Zonen, in die das Militär wiedereintreten könnte, wurden nicht genannt.

Die kommunistische Führung Nordkoreas fühlt sich durch die erneute Verbreitung von Flugblättern durch südkoreanische Aktivisten und nordkoreanische Flüchtlinge an der Grenze provoziert. Dabei wurden Ende Mai mit Ballons etwa eine halbe Million Flugblätter, die sich gegen die autokratische Führung in Pjöngjang richten, über die Grenze geschickt. Pjöngjang wirft der Regierung in Seoul vor, diese schon seit Jahren durchgeführte Kampagne weiter zu tolerieren.

© SZ/dpa/ap/saul/gal

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