Süddeutsche Zeitung

Krieg in der Ukraine:Kim unterstützt Putins Krieg bedingungslos

Russland verteidige nur seine Souveränität und Sicherheit, sagt der nordkoreanische Diktator. Der Kremlchef will von ihm Waffen, im Gegenzug stellt er Hilfe beim Bau von Satelliten in Aussicht.

Bei einem Treffen im Weltraumbahnhof von Wostotschny im Osten Russlands haben sich die Machthaber Russlands und Nordkoreas ihrer gegenseitigen Unterstützung versichert. Russland habe sich "zu einem heiligen Kampf zum Schutz seiner Souveränität und Sicherheit" erhoben, sagte Kim Jong-un mit Blick auf den Krieg in der Ukraine, wie staatliche russische Nachrichtenagenturen berichteten. "Wir haben immer und werden weiter alle Entscheidungen Putins und Entscheidungen der russischen Regierung unterstützen. Ich hoffe, dass wir im Kampf gegen den Imperialismus und beim Aufbau eines souveränen Staats immer zusammen sein werden."

Auf dem Kosmodrom Wostotschny habe sich Putin zusammen mit Kim die Startrampe angeschaut und sich mit der Montage einer Trägerrakete vom Typ Angara bekannt gemacht, berichtete die Agentur Interfax. Danach setzten sich die beiden Staatsoberhäupter zu einem Gespräch zusammen. Dabei dürfte es nicht zuletzt um Waffen gegangen sein. An dem Gespräch nahm auch der russische Verteidigungsminister Sergej Schojgu teil; der nordkoreanischen Delegation gehörten laut Experten hochrangige Vertreter des Militärs und der Rüstungsindustrie an.

Für seinen Krieg gegen die Ukraine könnte Russland von Nordkorea Artilleriegranaten oder Raketen kaufen. Im Gegenzug stellte Putin Unterstützung beim Bau von Satelliten in Aussicht: "Deswegen sind wir ins Kosmodrom Wostotschny gekommen", sagte er auf entsprechende Fragen der Presse. Kim zeige großes Interesse an russischer Raketentechnik.

Nach dem Treffen ging Putin diesbezüglich nicht ins Detail. Er sagte, auch über Agrarfragen sei gesprochen worden. Hier habe Russland Nordkorea einiges anzubieten. Kim werde nach dem Treffen im Kosmodrom die Hafenstadt Wladiwostok besuchen, erklärte Putin. Dort werde Russland ihm die Fähigkeiten seiner Pazifikflotte demonstrieren. In Komsomolsk am Amur werde Kim unter anderem Rüstungsfirmen besichtigen. Von nordkoreanischer Seite gab es zunächst keine Bilanz des Spitzentreffens.

Für Kim, der vorab die "strategische Wichtigkeit der Beziehungen" beider Länder beschwor, ist es der zweite Besuch in Russland nach einem Treffen mit Putin im April 2019 in Wladiwostok. Er zeigte sich überzeugt davon, dass Russland in der Ukraine "mit Sicherheit einen großen Sieg" erringen werde.

Parallel zum Treffen finden in Nordkorea Raketentests statt

Während des Besuchs feuerte das nordkoreanische Militär erneut zwei Kurzstreckenraketen ab. Man habe diese im Gebiet um Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang registriert, teilte der südkoreanische Generalstab in Seoul am Mittwochmorgen mit. Die Raketen seien ostwärts in Richtung offenes Meer geflogen, jeweils etwa 650 Kilometer weit. Die Streitkräfte hätten ihre Wachsamkeit erhöht.

In den vergangenen Monaten hat das Regime in Nordkorea immer wieder Raketentests durchgeführt - auch wenn ihm dies durch Beschlüsse der Vereinten Nationen verboten ist. Solche Raketen können je nach Bauart mit einem Atomsprengkopf bestückt werden. Südkorea hält dies für eine Provokation. Angesichts dessen haben zuletzt auch die Präsidenten der USA und Südkoreas sowie der japanische Premierminister vereinbart, sicherheitspolitisch verstärkt zusammenzuarbeiten.

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