Fernost:Nordkorea schickt erneut Rakete Richtung Japan

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Fernost: Menschen im südkoreanischen Seoul verfolgen am Bildschirm den erneuten Raketenstart in Nordkorea.

Menschen im südkoreanischen Seoul verfolgen am Bildschirm den erneuten Raketenstart in Nordkorea.

(Foto: Seokyong Lee/IMAGO/Penta Press)

Es ist der zweite Testflug eines Flugkörpers in dieser Woche. Die Provokationen verstärken die weltweite Besorgnis über das militärische oder gar nukleare Säbelrasseln mehrerer Staaten.

Von Claudia Koestler

Nordkorea hat am Donnerstagmorgen (Ortszeit) erneut zwei mutmaßlich ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung des Japanischen Meeres (koreanisch: Ostmeer) abgefeuert. Das berichtet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf das Militär. Damit setzt Nordkorea unter der Führung von Kim Jong-un seine Testserie fort. Der neuerliche Start folgt auf die Kritik des Landes an der Verlegung des Flugzeugträgers USS Ronald Reagan in die Gewässer östlich der Halbinsel durch die Regierung Biden mit dem Hinweis, dies verschärfe die Spannungen.

Der Flugzeugträger war erstmals Ende September in den südkoreanischen Hafen Busan eingelaufen für Übungen, an denen auch Japan und Südkorea beteiligt sind - ein Schritt, gegen den Pjöngjang scharf protestiert hat. "Die Demokratische Volksrepublik Korea beobachtet, dass die USA mit der Verlegung des Flugzeugträgers in die Gewässer vor der Koreanischen Halbinsel eine ernsthafte Bedrohung für die Stabilität der Lage auf der Koreanischen Halbinsel und in ihrer Nachbarschaft darstellen", erklärt das nordkoreanische Außenministerium in einer in staatlichen Medien veröffentlichten Erklärung.

Südkoreas Generalstabschefs gaben am Donnerstagmorgen bekannt, Nordkorea habe um 6.01 und 6.23 Uhr Ortszeit offenbar zwei Kurzstreckenraketen aus einem Gebiet in der Nähe von Pjöngjang abgefeuert. Die erste Rakete erreichte eine Höhe von etwa 100 Kilometern und flog 350 Kilometer weit, während die zweite eine Höhe von 50 Kilometern erreichte und etwa 800 Kilometer weit flog, sagte der japanische Verteidigungsminister Yasukazu Hamada zu Reportern.

US-Präsident Joe Biden und Japans Premierminister Fumio Kishida verurteilen den erneuten nordkoreanischen Raketenstart Richtung Japan. Die USS Ronald Reagan wurde am Mittwoch in die Gewässer zwischen Südkorea und Japan verlegt. Wie der südkoreanische Fernsehsender SBS berichtet, werden Japan, Südkorea und die USA am Donnerstag weitere gemeinsame Militärübungen abhalten.

Nordkorea bezeichnet die Übungen als Vorspiel für eine Invasion und einen Atomkrieg

Nordkorea wehrt sich seit Jahrzehnten gegen gemeinsame Übungen der Nachbarländer mit den USA und bezeichnet sie als Vorspiel für eine Invasion und einen Atomkrieg. Weitere Provokationen könnten folgen, denn die USA, Japan und Südkorea erklärten nach den ersten Raketentests Nordkoreas in dieser Woche, dass Pjöngjang bereit sein könnte, seinen ersten Atomtest seit fünf Jahren durchzuführen. Für diesen Fall haben die drei Länder eine strenge und einheitliche Reaktion angekündigt. Bei der Rakete, die am Dienstag über Japan flog, handelte es sich mutmaßlich um eine ballistische Mittelstreckenrakete vom Typ Hwasong-12, die eine Entfernung von rund 4600 Kilometern zurücklegte und damit die Waffe mit der größten Reichweite war, die Nordkorea seit Mai abgefeuert hat.

Das aktuelle Szenario erinnert an den Herbst 2017, als Kim Jong-uns Regime sein bislang größtes Kontingent an Langstreckenraketen abfeuerte und eine Atombombe zündete. Dies veranlasste den damaligen US-Präsidenten Donald Trump zu der Drohung, Nordkorea "vollständig zu zerstören", während die Vereinten Nationen harte Sanktionen verhängten. Der nordkoreanische Machthaber hat Bidens Aufforderungen, zu Abrüstungsgesprächen zurückzukehren, bislang ignoriert und feuert seine ballistischen Raketen unter Missachtung eines UN-Verbots ab.

Russland und China haben ihr Veto gegen eine Sanktionsresolution eingelegt

Die Provokationen verstärken nun die weltweite Besorgnis über das militärische respektive teils nukleare Säbelrasseln mehrerer Staaten: Der russische Präsident Wladimir Putin droht mit seinem Atomwaffenarsenal, während er versucht, die Invasion in der Ukraine voranzutreiben. Der Vorstoß der USA, Russland wegen des Kriegs zu isolieren, und die zunehmenden Spannungen zwischen Washington und Peking ermöglichen es Kim Jong-un aktuell, seine nuklearen Ambitionen zu verstärken, ohne neue UN-Sanktionen befürchten zu müssen. Russland und China haben im Mai im UN-Sicherheitsrat ihr Veto gegen eine von den USA entworfene Sanktionsresolution gegen Nordkorea eingelegt, und es besteht derzeit kaum eine Chance, dass sie Maßnahmen wie 2017 unterstützen.

China feuerte im August eigene ballistische Raketen über Taiwan hinweg, um gegen den Besuch der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taipeh zu protestieren.

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