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Nordkorea:Putin will Nordkorea-Krise diplomatisch lösen

A North Korea soldier stands in front of a window along the banks of Yalu River near the North Korean town of Sinuiju, opposite the Chinese border city of Dandong; C183B95A-D313-4C4E-8664-5FAB8BB91E72

Ein nordkoreanischer Soldat nahe der Grenze zu China.

(Foto: REUTERS)
  • Im Atomstreit mit Nordkorea herrscht außerhalb Pjöngjangs Einigkeit: Die Krise soll friedlich beigelegt werden.
  • Auf einen gemeinsamen Lösungsweg können sich die USA, Südkorea, China, die EU und Russland aber bislang nicht einigen.
  • China signalisiert Zustimmung zu einem US-Ölembargo. Russland hingegen meint, der Konflikt sei nur diplomatisch zu lösen.

Im Atomkonflikt mit Nordkorea haben sich mehrere Staaten am Donnerstag um Entspannung bemüht. Russlands Präsident Wladimir Putin betonte, er glaube an eine politische Lösung des Problems. Die US-Regierung sei seiner Einschätzung nach daran interessiert, die Krise mit Pjöngjang zu entschärfen. "Alle Kontrahenten haben genug gesunden Menschenverstand und kennen ihre Verantwortung. Wir können dieses Problem mit diplomatischen Mitteln lösen", sagte Putin bei einem Wirtschaftstreffen in Wladiwostok. Den amerikanischen Vorstoß, noch härtete Sanktionen gegen Nordkorea zu beschließen, will der russische Präsident nicht unterstützen.

Auch Südkoreas Präsident Moon Jae-in schloss einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel am Donnerstag aus: Dazu werde es nicht kommen, sagte er. Nordkorea sandte hingegen noch keine Signale der Entspannung. Außenhandelsminister Kim Yong-jae kündigte massive Abwehrmaßnahmen gegen den US-Druck auf sein Land an. Er nannte das Vorgehen der Amerikaner im Nuklearkonflikt "barbarisch". Nordkorea brauche Atomwaffen, um feindlichen Kräften entgegenwirken zu können.

Ein Öl-Embargo würde das importabhängige Nordkorea schwer treffen

Auch wenn Nordkorea sich durch seine Atomtests international immer stärker isoliert hat, betrachtet das Regime in Pjöngjang die Raketen nach Auffassung von Beobachtern als seine beste Überlebenschance. Gibt Diktator Kim Jong-un diese Waffen auf oder unterzieht sich internationalen Inspektionen, müsste er fürchten, dass seine Regierung von außen gestürzt wird.

US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwochabend einen Entwurf für den UN-Sicherheitsrat vorgelegt, um den Druck auf das nordkoreanische Regime noch einmal zu erhöhen. Vorgesehen ist darin unter anderem ein Öl-Embargo, das Nordkorea empfindlich treffen würde, weil es auf Importe angewiesen ist. Auch soll das Vermögen Kims im Ausland eingefroren werden. Trump hatte aber auch betont, eine militärische Lösung des Konflikts sei "nicht unsere erste Wahl". China, das lange als Schutzmacht Nordkoreas im UN-Sicherheitsrat agierte, will die von Washington vorgeschlagenen neuen Strafmaßnahmen offenbar unterstützen. Sein Land sei offen für "weitere Schritte", zitierte die Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag Außenminister Wang Yi.

EU plant ebenfalls schärfere Sanktionen gegen das Regime

Allerdings betonte Putin in Wladiwostok, er lehne noch härtere Sanktionen gegen Nordkorea ab. Statt weitere Strafen zu verhängen, müsse Pjöngjang stärker in die internationale Gemeinschaft eingebunden werden. Nordkorea werde seine Atomwaffen keineswegs aufgeben, weil es darin seinen einzigen Schutz sehe, betonte er.

Pjöngjang hatte am Sonntag nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe testen lassen, mit der eine Langstreckenrakete bestückt werden kann. Auch die EU plant wegen des Atomtests schärfere Sanktionen gegen Nordkorea. "Wir glauben, dass zusätzlicher wirtschaftlicher und diplomatischer Druck etwas bewirken kann", sagte die Außenbeauftragte Federica Mogherini am Rande eines Ministertreffens in Estland.

© SZ vom 08.09.2017/ees

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