Nordkorea:Mordfall Kim Jong-nam: Angeklagte beteuern ihre Unschuld

  • Vor dem Obersten Gericht Malaysias hat der Prozess gegen zwei Frauen begonnen, denen der Mord an Kim Jong-nam vorgeworfen wird.
  • Sie sollen dem Halbbruder des nordkoreanischen Diktators am Flughafen Kuala Lumpur ein Nervengift ins Gesicht gesprüht haben.
  • Beide sagten aus, sie seien von Unbekannten für einen vermeintlichen Fernsehstreich angeheuert worden. Ihnen droht die Todesstrafe.

Vor dem Obersten Gericht Malaysias in Kuala Lumpur hat der Prozess gegen zwei Frauen begonnen, denen Mord am Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un vorgeworfen wird. Bei einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe.

Die 25 und 29 Jahre alten Angeklagten aus Indonesien und Vietnam sollen Kim Jong-nam am 13. Februar dieses Jahres am Flughafen der malaysischen Hauptstadt Nervengift ins Gesicht gesprüht und ihn so getötet haben. Staatsanwalt Muhamad Iskandar Ahmad zeigte sich überzeugt von ihrer Täterschaft: "Die Beweise belegen eindeutig, dass ihre Handlungen den Tod des Opfers verursacht haben", sagte der Ankläger.

Der Prozess findet unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Die beiden Angeklagten wurden in Handschellen und schusssicheren Westen in den Verhandlungssaal geführt. Vor Gericht bekräftigten sie noch einmal ihre bisherige Aussage, ihnen sei vorgetäuscht worden, sie machten bei einem harmlosen Scherz einer Fernsehshow mit versteckter Kamera mit. Dazu seien sie von "Fremden" angeheuert worden, hinter denen Beobachter den nordkoreanischen Geheimdienst vermuten. Von den mutmaßlichen Hintermännern wurde jedoch niemand gefasst.

Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie zwei Frauen Kim Jong-nam am Flughafen abpassen und ihm etwas mit der Hand ins Gesicht drücken - Berichte reichen von einem mutmaßlich giftgetränkten Tuch bis zu einem Spray. Er war später zusammengebrochen und gestorben.

Kim Jong-nam war der ältere Halbbruder des amtierenden Machthabers. Der 45-Jährige lebte seit Jahren außerhalb Nordkoreas, seit er 2001 beim Regime in Ungnade gefallen war: Damals hatte er versucht, mit gefälschtem Pass in Japan einen Disney-Freizeitpark zu besuchen. Mehrfach äußerte er sich kritisch über sein Heimatland.

Der Fall hatte die Beziehungen zwischen Malaysia und Nordkorea schwer belastet. Unter anderem hatte Nordkorea versucht, eine Obduktion der Leiche von Kim Jong-nam durch malaysische Behörden zu verhindern.

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