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Nordkorea:Krieg den Lautsprechern

Nordkorea soll sich wegen eines versenkten südkoreanischen Kriegsschiffs entschuldigen - droht aber stattdessen wieder einmal mit Krieg. Die USA und Südkorea wollen mit einem gemeinsamen Marine-Manöver reagieren.

Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton spricht von einer "höchst prekären" und "sehr gefährlichen" Lage auf der koreanischen Halbinsel. Sie ist gerade in Peking und wollte dort eigentlich über Wirtschaftsbeziehungen reden. Nun will ihre Regierung aber ein gemeinsames Manöver mit südkoreanischen Streitkräften abhalten - als direkte Reaktion auf den Nordkorea zugeschriebenen Torpedo-Angriff auf ein südkoreanisches Kriegsschiff.

Lautsprecher an der Grenze: Südkoreanischer Wachposten in Yanggu, nördlich von Seoul.

(Foto: afp)

Das Manöver, bei dem auch die U-Boot-Bekämpfung trainiert werde, würden in "naher Zukunft" stattfinden, sagte Pentagon-Sprecher Bryan Whitman. Die Entscheidung zu dem Manöver hänge mit dem Untersuchungsergebnis des Ermittlerteams zusammen.

Internationale Experten waren zuvor zu dem Schluss gekommen, dass das südkoreanische Kriegsschiff Cheonan im März mit sehr großer Wahrscheinlichkeit von einem nordkoreanischen Torpedo versenkt wurde. 46 Seeleute ertranken dabei.

Südkorea verlangt deshalb von den kommunistischen Machthabern im Nachbarland eine Entschuldigung und die Bestrafung der Verantwortlichen. Der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak kündigte an, den Zwischenfall vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen.

Für die Annäherung der beiden Staaten bedeutet der Streit über den Torpedo-Angriff einen großen Rückschlag: So verhängte die Regierung in Seoul Sanktionen gegen den Nachbarn. Die innerkoreanische Zusammenarbeit wird weitgehend eingestellt und nordkoreanischen Schiffen die Fahrt durch südkoreanische Hoheitsgewässer verboten.

"Nicht tolerierbare, schwere Provokation"

Auch die Einfuhr von Sand und anderen Gütern aus Nordkorea werde gestoppt, erklärte der für die Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten zuständige Minister für Wiedervereinigung, Hyun In Taek. Als Teil der Wirtschaftssanktionen soll auch die Zahl der Arbeiter in einem gemeinsamen Industriegebiet auf nordkoreanischer Seite der Grenze verringert werden. Das Gebiet galt lange als Symbol der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und ist für die kommunistische Führung des Nordens eine wichtige Einnahmequelle.

"Wir haben Nordkoreas Brutalität immer wieder ertragen", sagte Lee in einer Ansprache, nachdem er verschiedene Übergriffe des Nordens auf den Süden aufgezählt hatte, darunter auch den Abschuss eines Passagierflugzeugs 1987. "Aber diesmal liegen die Dinge anders", sagte Lee weiter. "Nordkorea wird einen Preis für seine Provokation zahlen müssen."

Die kommunistische Führung in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang bestreitet dagegen vehement, für den Untergang der Cheonan verantwortlich zu sein. Mehr noch: Der Untersuchungsbericht der Experten sei eine "nicht tolerierbare, schwere Provokation", heißt es in der nordkoreanischen Tageszeitung Rondong Sinmun.

Außerdem kündigte ein Befehlshaber der nordkoreanischen Volksarmee in den eigenen Staatsmedien an, das Feuer auf Lautsprecher an der Grenze zu Südkorea zu eröffnen. Damit reagierte Pjöngjang auf die Ankündigung Südkoreas, nach sechsjähriger Pause wieder anti-nordkoreanische Propaganda per Lautsprecher über die Grenze zu schicken.

© sueddeutsche.de/AP/dpa/afp/rtr/cmat/jab
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