Gift-Anschlag Fall Kim Jong-nam: Vietnamesin zu Haftstrafe verurteilt

Die Angeklagte im Fall Kim Jong-nam verlässt das Gerichtsgebäude in Shah Alam in Malaysia.

(Foto: AP)
  • Im Fall Kim Jong-nam ist die letzte verbliebene Angeklagte zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden.
  • Eine Anklage wegen Mordes wurde aufgehoben. In diesem Fall hätte ihr die Todesstrafe gedroht.
  • Der Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un war 2017 mit einem Nervengift getötet worden.

Im Prozess um das tödliche Gift-Attentat gegen den Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist die einzige verbliebene Angeklagte zu drei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die 30-jährige Vietnamesin wurde von einem Gericht in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur der vorsätzlichen Körperverletzung für schuldig befunden, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Die Agentur AP schreibt dagegen, sie sei wegen Waffenbesitzes verurteilt worden.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft den Vorwurf des Mordes fallen gelassen. Die Angeklagte hatte laut AP auf schuldig plädiert, eine gefährliche Waffe bei sich getragen zu haben, und um Milde gebeten. Damit kann die Frau nach Verbüßung von zwei Jahren Untersuchungshaft bei guter Führung vermutlich schon im nächsten Monat freikommen, sagte ihr Anwalt. Bei einer Verurteilung wegen Mordes hätte ihr die Todesstrafe gedroht. In Malaysia ist dies in solchen Fällen die einzig mögliche Strafe.

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Schminke für die Diktatur

Sie war vor etwa zwei Jahren festgenommen worden. Im Februar 2017 soll die Vietnamesin Kim Jong-nam, den Halbbruder von Nordkoreas Diktator, zusammen mit einer anderen Frau auf dem Flughafen von Kuala Lumpur getötet haben. Die Mitangeklagte war im vergangenen Monat auf Bitten der indonesischen Regierung überraschend freigekommen. Begründet wurde dies mit einem übergeordneten Interesse an guten Beziehungen zwischen beiden Staaten. Vietnam hatte sich dafür eingesetzt, dass auch die Vietnamesin nach Hause darf - jedoch ohne Erfolg.

Beide Frauen behaupten, dass sie nicht wussten, was sie taten. Angeblich dachten sie, dass sie für einen Fernsehscherz im Stil der "Versteckten Kamera" einem fremden Mann Babyöl ins Gesicht drücken sollten. Tatsächlich handelte es sich um VX-Nervengift. Vermutet wird, dass Nordkoreas Geheimdienst hinter dem Attentat steckt.

Kim Jong-nam: In Ungnade gefallener Sohn

Die Angeklagte nahm das Urteil erleichtert auf. Sie dankte mithilfe eines Übersetzers dem Richter, den Staatsanwälten und den malaysischen und vietnamesischen Regierungen. Nachdem sie den Gerichtssaal verlassen hatte, sagte sie Reportern, sie sei glücklich und glaube, es handele sich um ein faires Urteil. Zuvor hatte sie gegenüber der Presse erklärt, bei ihrer Rückkehr nach Vietnam hoffe sie darauf, Sängerin und Schauspielerin zu werden.

Kim Jong-nam war ältester Sohn des langjährigen Machthabers Kim Jong-il aus einer früheren Ehe. Eine Zeit lang galt er als erster Anwärter auf die Nachfolge, fiel dann aber in Ungnade. Die letzten Jahre lebte er außerhalb Nordkoreas. Manche Experten vermuten, dass er sich für einen Sturz seines Halbbruders bereithielt, der seit 2011 die Macht in Nordkorea innehat. Der Fall hatte auch die Beziehungen zwischen Malaysia und Nordkorea massiv belastet. Inzwischen haben sie sich wieder weitgehend normalisiert.

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