Nordkorea Grund zum Misstrauen

Das Atomarsenal wird bleiben, es dient dem Überleben des Regimes.

Von Hubert Wetzel

Man sollte Donald Trump nicht dafür kritisieren, dass er versucht, mit Nordkorea eine Abrüstungsvereinbarung zu erreichen. Reden ist besser als schießen - diese alte sicherheitspolitische Weisheit, die im Kalten Krieg die Welt vor der Zerstörung gerettet hat, gilt auch für den Umgang mit dem nuklear bewaffneten Diktator in Pjöngjang.

Was man kritisieren kann, ist die narzisstische Blauäugigkeit, mit der Trump die Sache angeht. Er glaubt, die atomare Gefahr könne dadurch gebannt werden, dass er - und nur er - ein paar nette Gespräche mit dem jungen Gewaltherrscher Kim Jong-un führt; das zweite Gipfeltreffen ist schon geplant. Die eigenen Geheimdienste haben den Präsidenten nun allerdings öffentlich daran erinnert, dass Nordkoreas Atomarsenal einem rationalen, strategischen und im Grunde unverhandelbaren Zweck dient - dem Überleben des Kim-Regimes. Eine völlige Abrüstung ist daher eher unwahrscheinlich.

Insofern hat Trump, egal wie rosig er die Lage auf Twitter zeichnet, es mit einer Realität zu tun, an der auch seine Vorgänger nicht vorbeikamen: Nordkorea ist eine Atommacht. Und dieser Status ist wohl nicht zu verändern, jedenfalls nicht durch Gewalt und zu einem akzeptablen Preis. Das immerhin scheint Trump verstanden zu haben. Gefährlicher wäre, wenn er das Gegenteil glaubte.