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Nordirland:Brüchiger Frieden

Die Debatte um den Brexit heizt alte Feindschaften und alte Hoffnungen wieder an. Der Tod einer jungen Frau, zu dem sich nun eine Nachfolgeorganisation der IRA auf zynische Art und Weise bekennt, zeigt: Die Lage in Nordirland ist höchst explosiv.

Die sogenannte New IRA bekennt sich zur Tötung einer Journalistin in Derry, aber dann - auch wieder nicht. Das Bekennerschreiben ist an Zynismus nicht zu überbieten, weil es im Kern sagt: Es tut uns leid, dass Lyra McKee im Weg war; Schüsse auf die Polizei sind legitim, es wurde eben nur die Falsche getroffen.

Was die Menschen in Nordirland schon lange wissen, wollen viele Politiker in London nicht wahrhaben: Der Frieden ist mehr als brüchig, die alten Gräben sind nur notdürftig zugeschüttet. Alle paar Wochen gibt es Anschläge, immer wieder auch Tote - in den letzten Jahren hat die Gewalt in der Nordhälfte der irischen Insel stetig zugenommen. Daran ist nicht allein die Brexit-Debatte schuld; die alten Ideologen und die neuen Terroristen brauchen den EU-Austritt nicht als Anlass, um weiter zu töten. Aber die Debatte heizt alte Feindschaften und alte Hoffnungen an. Die einen setzen darauf, die Wiedervereinigung Irlands mit politischen Mitteln zu erreichen, andere verlegen sich erneut auf den bewaffneten Kampf.

Nach einem Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Nordirland sagten ihr radikale Brexiteers in London, die Gefahr einer harten Grenze und neuer Gewalt sei nur "erfunden und aufgebauscht". Nichts könnte falscher sein.