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Großbritannien:Erneute Krawalle in Belfast

Protests in Belfast

Am frühen Freitagabend kam es in der Tigers Bay Area in Belfast erneut zu gewalttätigen Protesten.

(Foto: Jason Cairnduff/REUTERS)

Trotz Aufrufen zur Trauerruhe nach dem Tod von Prinz Philipp werden bei Ausschreitungen weitere Polizisten verletzt. Randalierer werfen mit Molotowcocktails und Steinen.

Trotz des Tods von Prinz Philip und den damit verbundenen Appellen zum Gewaltverzicht ist es in der nordirischen Hauptstadt Belfast auch am Freitagabend zu Ausschreitungen gekommen. Randalierer beschossen Polizisten im Norden Belfasts Medienberichten zufolge mit Molotowcocktails und Raketen, darüber hinaus bewarfen einige von ihnen die Polizisten mit Flaschen, Steinen und Dachziegeln. Ein Auto und Mülltonnen wurden angezündet, wie die Nachrichtenagentur PA berichtete. Dabei wurden laut Belfast Telegraph weitere 14 Polizisten verletzt und somit insgesamt 88 seit Ausbruch der Krawalle. Drei 14 Jahre alte Teenager seien festgenommen worden.

Zuvor hatten sogenannte Loyalisten - Anhänger des Verbleibs von Nordirland im Vereinigten Königreich - dazu aufgerufen, die Proteste als Zeichen des Respekts vor der Königin und ihrer Familie nach dem Tod von Prinz Philip zu "verschieben". Nach einer Trauerzeit sollten die Proteste aber fortgesetzt werden, war auf in Belfast aufgehängten Plakaten zu lesen.

Ruhe bitte: In Belfast wird gebeten, die PUL-Proteste (Protestanten, Unionisten, Loyalisten) für die Zeit der Trauer um Prinz Philipp auszusetzen.

(Foto: Paul Faith/AFP)

Der Ehemann der britischen Königin Elizabeth II. war am Freitag im Alter von 99 Jahren gestorben. In der britischen Provinz Nordirland kommt es seit mehr als einer Woche zu nächtlichen Krawallen. Grund für die Spannungen dürfte unter anderem der Sonderstatus der britischen Provinz durch den Brexit sein.

Experten befürchten, dass sich die Gewalt weiter zuspitzt. Der Sonderstatus Nordirlands, wie er im Brexit-Abkommen festgelegt wurde, stößt in Teilen des protestantischen Lagers auf Widerstand. Die Provinz ist weiter Teil des EU-Handelsraums, um Warenkontrollen an der Grenze zum EU-Mitglied Irland zu verhindern. Stattdessen muss nun zwischen Nordirland und dem übrigen Vereinigten Königreich kontrolliert werden. Im Nordirland-Konflikt standen sich jahrzehntelang protestantische Befürworter der Union mit Großbritannien und katholische Anhänger einer Vereinigung der beiden Teile Irlands gegenüber.

In Umfragen spricht sich derzeit eine Mehrheit der Bewohner Nordirlands für ein Referendum über eine Vereinigung mit der Republik Irland aus. In den britischen Landesteilen Wales und Schottland wird am 6. Mai gewählt, auch dort zeigen sich derzeit Abspaltungstendenzen vom Königreich. Wenn in Schottland die Scottish National Party eine Mehrheit bekommt, könnte sie ein zweites Unabhängigkeitsreferendum ansetzen.

© SZ/dpa/Bloomberg/SZ/vgr
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