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Nordirland:Weitere Ausschreitungen in Belfast

Loyalisten blockieren am Freitagabend eine Straße in Belfast.

(Foto: Peter Morrison/AP)

Sogenannte Loyalisten hatten zwar offiziell dazu aufgerufen, die Proteste nach dem Tod von Prinz Philip zu "verschieben". Dennoch kam es erneut zu Ausschreitungen. Experten befürchten, dass sich die Gewalt weiter zuspitzt.

Trotz des Todes von Prinz Philip und der damit verbundenen Appelle zum Gewaltverzicht ist es in der nordirischen Hauptstadt Belfast auch am Freitagabend zu Ausschreitungen gekommen. Randalierer beschossen Polizisten im Norden Belfasts Medienberichten zufolge mit Molotowcocktails und Raketen, darüber hinaus sollen einige von ihnen die Beamten mit Flaschen sowie Steinen beworfen haben. Ein Auto und Mülltonnen wurden angezündet, wie die Nachrichtenagentur PA berichtete. Dabei wurden laut BBC weitere Polizisten verletzt.

Zuvor hatten sogenannte Loyalisten - also Anhänger des Verbleibs von Nordirland im Vereinigten Königreich - dazu aufgerufen, die Proteste als Zeichen des Respekts vor der Königin und ihrer Familie nach dem Tod von Prinz Philip zu "verschieben". Nach einer Trauerzeit sollten die Proteste aber fortgesetzt werden, war auf in Belfast aufgehängten Plakaten zu lesen, wie der Belfast Telegraph berichtete. Der Ehemann der britischen Königin Elizabeth II. war am Freitag im Alter von 99 Jahren gestorben.

In der britischen Provinz Nordirland kommt es seit mehr als einer Woche zu nächtlichen Krawallen. Am Donnerstag wurden dabei weitere 19 Polizisten verletzt, die Gesamtzahl stieg laut BBC auf 74 verletzte Beamte. Grund für die Spannungen dürfte unter anderem der Sonderstatus der britischen Provinz durch den Brexit sein. Experten befürchten, dass sich die Gewalt weiter zuspitzt.

Der Sonderstatus Nordirlands, wie er im Brexit-Abkommen festgelegt wurde, stößt in Teilen des protestantischen Lagers auf Widerstand. Die Provinz ist weiter Teil des EU-Handelsraums, um Warenkontrollen an der Grenze zum EU-Mitglied Irland zu verhindern. Stattdessen muss nun zwischen Nordirland und dem übrigen Vereinigten Königreich kontrolliert werden. Im Nordirland-Konflikt standen sich jahrzehntelang protestantische Befürworter der Union mit Großbritannien und katholische Anhänger einer Vereinigung der beiden Teile Irlands gegenüber.

© SZ/dpa/jsa/lot
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