Norbert Röttgen:Gewinner des Jahres 2011! Verlierer des Jahres 2012?

Lesezeit: 2 min

Dass man derzeit leichter einen Eskimo in der Wüste als einen Röttgen-Fan in der Union findet, liegt nicht nur an dessen Europa-Einlassung, sondern auch an seinem blutleeren Wahlkampf. Für die Union zählt inzwischen nur noch eines: Das Desaster von Düsseldorf soll an Röttgen hängen bleiben - aber bitte, bitte nicht an der Kanzlerin.

Robert Roßmann, Berlin

Manchmal offenbaren ein paar leichtfertig hingeworfene Sätze mehr als lange Erklärungen. "Ich müsste eigentlich Ministerpräsident werden", hat Norbert Röttgen gerade im Fernsehen gesagt. "Bedauerlicherweise" würde darüber aber nicht allein die CDU, sondern auch der Wähler entscheiden. Röttgen, so scheint es, kann immer noch nicht verstehen, wie binnen weniger Wochen aus dem Sunnyboy der Bundesregierung ein Zählkandidat in der Provinz werden konnte.

Norbert Röttgen

Vom Strahlemann zum Verlierer: Norbert Röttgen.

(Foto: dpa)

Der Umweltminister war der politische Gewinner des Jahres 2011: Erst musste sein einziger Strahlemann-Konkurrent, Karl-Theodor zu Guttenberg, zurücktreten. Dann verhalf Fukushima Röttgen zur Mehrheit für seinen Atom-Kurs. Jetzt ist er dabei, der Verlierer des Jahres 2012 zu werden. Die CDU steht in Nordrhein-Westfalen vor einem Wahldebakel. Die Auguren unken, die Partei könnte am Sonntag sogar unter 30 Prozent fallen.

Nun ist NRW für die CDU zwar nicht ganz so wichtig wie für die SPD. Ein gewaltiger Schlag ins Kontor wird das Ergebnis aber doch. Merkels Leute sprechen schon von der "unkalkulierbaren Eigendynamik", die ein solches Resultat auch in der Hauptstadt haben könne. Und so errichten sie in der Bundes-CDU gerade eine Brandmauer: In NRW werde nicht über die Bundesregierung oder Merkels Europapolitik abgestimmt, es gehe "nur um die Landespolitik", heißt es unisono. Ob die Brandmauer hält, weiß wie beim griechischen Pendant aber keiner.

Das Desaster Düsseldorf

Umso erboster sind sie in Berlin, dass Röttgen jetzt sogar noch Löcher in die eh schon wacklige Mauer schlägt. Mit seiner Erklärung, in NRW werde auch über Merkel und ihre Europapolitik abgestimmt, hat er genau die Verbindung hergestellt, die Kanzleramt und Adenauerhaus so gerne kappen würden: Das Desaster von Düsseldorf soll an Röttgen hängen bleiben - aber bitte, bitte nicht an der Kanzlerin. Dass man derzeit leichter einen Eskimo in der Wüste als einen Röttgen-Fan in der Union findet, liegt aber nicht nur an dessen Europa-Einlassung.

In der CDU sind sie schon seit Wochen darüber verzweifelt, wie lustlos Röttgen den Wahlkampf betreibt. Ohne Herzblut, blass und fahrig absolviert der Spitzenkandidat seine Termine. Kein Wunder, dass er gegen die temperamentvolle Hannelore Kraft und ihr "NRW im Herzen" nicht reüssiert. Nicht minder desaströs ist aber auch die Wahlkampf-Führung Röttgens: Erst hat er sich um eine Antwort auf die Frage gedrückt, ob er bei einer Niederlage im Land bleibt. Dann fiel er mit abenteuerlichen Kurswechseln auf. Ausgerechnet der Umweltminister forderte auf einmal gegen die Parteilinie eine Erhöhung der Pendlerpauschale. Zuletzt machte er sich auch noch beim Betreuungsgeld einen schlanken Fuß.

Röttgen hat in den vergangenen Jahren mit einer Kanzlerkandidatur kokettiert und sich als George Clooney der Union feiern lassen. Jetzt kann er froh sein, wenn er die nächsten Wochen als CDU-Landesvorsitzender ohne Putsch überlebt.

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