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Nobelpreisträger:Ehefrau trifft Liu Xiaobo im Gefängnis

Sie wurde von der Polizei abgeholt und aus Peking weggebracht: Jetzt durfte die Ehefrau des Nobelpreisträgers offenbar ihren Mann Liu Xiaobo im Gefängnis besuchen.

Die Ehefrau des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo hat angeblich ihren inhaftierten Mann am Sonntag getroffen. Das berichtete das Hongkonger Informationszentrum für Demokratie und Menschenrechte unter Hinweis auf die Familie. Liu Xia dürfte den 54-jährigen Bürgerrechtler dabei über seine Auszeichnung am Freitag durch das Nobelkomitee in Oslo unterrichtet haben.

Die Ehefrau des inhaftierten Nobelpreisträgers Liu Xiaobo durfte ihren Mann im Gefängnis besuchen.

(Foto: AFP)

Das Treffen war von der Polizei in der Stadt Jinzhou in der Provinz Liaoning arrangiert worden - etwa 500 Kilometer von Peking entfernt. Dort sitzt Liu Xiaobo eine elfjährige Haftstrafe wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" ab. Liu Xia war in Polizeibegleitung nach Jinzhou gebracht worden.

Das norwegische Nobelkomitee in Oslo hatte den 54-jährigen Liu Xiaobo für "seinen langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte" ausgezeichnet.

Vor dem Treffen mit ihrem Mann hatte Liu Xia befürchtet, dass sie außerhalb der Hauptstadt unter Hausarrest gestellt werden könnte. Sie habe sich bereits am Donnerstag gegen Versuche der Polizei gewehrt, sie zu einer Reise nach Jinzhou zu überreden, schrieb Liu Xia im Internet- Kurznachrichtendienst Twitter. Das Hongkonger Zentrum berichtete, dass Liu Xia am morgigen Montag nach Peking zurückkehren soll.

Nach der Bekanntgabe der Entscheidung des Nobelkomitees hatten sich bis zu 100 Unterstützter vor dem Wohnort Lius in Peking versammelt. Auch Dutzende Journalisten waren gekommen. Die Führung in Peking hatte mit aller Schärfe auf die Entscheidung des Komitees reagiert. Liu sei "ein Krimineller". Die Vergabe "an solche Leute" sei "eine Schmähung" des Nobelpreises, hieß es in Peking.

Der norwegische Botschafter wurde einbestellt, wie die Regierung in Oslo mitteilte. Zudem habe der chinesische Vertreter in Oslo den "kräftigen Protest" der chinesischen Regierung zum Ausdruck gebracht. Dabei sei angedeutet worden, dass es Konsequenzen geben werde.

Liu, Ehrenvorsitzender des PEN-Clubs unabhängiger chinesischer Schriftsteller, war im Dezember 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er gilt als führender Kopf hinter der "Charta 08", einem Aufruf für Demokratie und Menschenrechte in China in der Tradition der "Charta 77" tschechoslowakischer Bürgerrechtler.

Liu ist seit zwei Jahrzehnten ein führender Denker der Demokratiebewegung. Er war auch an den blutig niedergeschlagenen Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 beteiligt und saß bereits vor seiner Verurteilung mehrfach in Haft.

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