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Messerattacke von Nizza:Mutmaßlicher Täter ist nicht vernehmungsfähig

Frankreich, Tödliche Messerattacke in Nizza Attentat a la Basilique Notre Dame de Nice - La Basilique Notre Dame NEWS :

Ermittler an der Notre Dame Basilika in Nizza. Dort hatte ein mutmaßlicher Islamist mit einem Messer drei Menschen getötet.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Französischen Medienberichten zufolge wird der 21-jährige Tunesier zum zweiten Mal operiert. Zuvor hatten Ermittler einen weiteren Verdächtigen festgenommen.

Nach der Messerattacke in einer Kirche in der südfranzösischen Metropole Nizza, bei der am Donnerstagmorgen drei Menschen getötet wurden, ist der mutmaßliche Täter offenbar immer noch nicht vernehmungsfähig. Wie französische Medien berichten, müsse der Mann ein zweites Mal operiert werden.

Zuvor hatte die französische Staatsanwaltschaft erste Ermittlungsergebnisse mitgeteilt. Bei einer Pressekonferenz am Abend sagte Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard, dass der mutmaßliche Angreifer "Allahu akbar" ("Gott ist groß" auf Arabisch) gerufen habe.

Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben. Der mutmaßliche Täter wurde am Donnerstag von Polizisten schwer verletzt und festgenommen, er schwebt in Lebensgefahr. Die Einsatzkräfte hätten einen Koran und Telefone am Tatort gefunden. Außerdem habe man in der Nähe des Angreifers die Mordwaffe, ein rund 17 Zentimeter langes Messer, entdeckt, sagte Ricard. Inzwischen wurde ein weiterer Mann in Gewahrsam genommen. Der 47-Jährige soll am Vorabend der Tat Kontakt mit dem Angreifer gehabt haben.

Der Angriff ereignete sich gegen neun Uhr in der Kirche Notre-Dame mitten in der Einkaufsstraße von Nizza. Einer 60-jährigen Frau sei tief die Kehle durchgeschnitten worden, Ricard sprach von einer Art Enthauptung. Auch der getötete 55-jährige Küster wurde schwer an der Kehle verletzt. Ein drittes, schwer verletztes Opfer sei noch geflüchtet. Die 44-Jährige sei dann außerhalb der Kirche ihren Verletzungen erlegen.

Der Angreifer habe ein Dokument des Italienischen Roten Kreuzes bei sich getragen, das auf einen 1999 geborenen tunesischen Staatsbürger ausgestellt gewesen sei. Über Italien sei er nach Frankreich gelangt. Aus dem Innenministerium in Rom verlautete am Donnerstagabend, dass der 21-Jährige am 20. September illegal auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa angekommen sei. Nach italienischen Agenturberichten war er mit anderen Bootsmigranten dort an Land gegangen und im Oktober nach Bari, die Hauptstadt Apuliens, gebracht worden. Dort soll er abgetaucht sein.

Aus Quellen im Innenministerium in Rom hieß es nur, dem Tunesier sei am 9. Oktober ein Ablehnungsdekret für einen Verbleib geschickt worden. Er sei aufgefordert worden, Italien innerhalb von sieben Tagen zu verlassen. Die tunesischen Behörden hätten Italien nicht vor ihm gewarnt. Auch aus "nachrichtendienstlichen Kanälen" sei er nicht unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit genannt worden.

Tunesien nimmt eigene Ermittlungen auf

Die tunesische Staatsanwaltschaft hat unterdessen eigene Ermittlungen aufgenommen. Nach ersten Informationen über die Identität des mutmaßlichen Angreifers habe man mit den Ermittlungen begonnen, sagte der stellvertretende Staatsanwalt und Gerichtssprecher in Tunis, Mohsen Dali, der Deutschen Presse-Agentur. Für den Fall, dass die Justizbehörden um Zusammenarbeit bitten, stehe man zur Verfügung. Das tunesische Antiterrorgesetz schreibe die Strafverfolgung jedes Tunesiers vor, der an einer terroristischen Handlung innerhalb oder außerhalb des Landes beteiligt war, sagte Dali. Man prüfe im Laufe der Ermittlungen auch, ob der mutmaßliche Täter Komplizen in Tunesien hatte.

Vorläufige Daten deuteten darauf hin, dass der junge Mann von den Justiz- und Sicherheitsbehörden in Tunesien nicht als Terrorist eingestuft wurde, sagte Gerichtssprecher Dali. Tunesien verurteile "den terroristischen Vorfall in Nizza" aufs Schärfste, hieß es nach Angaben der Nachrichtenagentur Tap aus dem Außenministerium. In einer Erklärung bekräftigte das nordafrikanische Land demnach auch seine "völlige Ablehnung aller Formen von Terrorismus, Extremismus und Gewalt" und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus.

© SZ/dpa/aner
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