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Nitrat:Belastetes Grundwasser

Die Nitratwerte liegen teilweise über den Grenzwerten. Das befeuert den Streit zwischen Berlin und Brüssel. Denn die Düngemittelverordnung ist immer noch nicht fertig.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Für Barbara Hendricks ist die Sache klar: Die Agrarindustrie ist schuld. "An den Messdaten kann man das sehen", sagt die Umweltministerin von der SPD. "Gerade da, wo die Landwirtschaft besonders intensiv ist, sind die Nitratbelastungen besonders hoch". Es sei Zeit, "ernsthaft gegenzusteuern".

Am Dienstag haben Umwelt- und Landwirtschaftsministerium ihren "Nitratbericht" abgeliefert, alle vier Jahre verlangt die EU-Kommission eine solche Bilanz. Danach weist das deutsche Grundwasser bei 28 Prozent aller Messstellen eine Nitrat-Konzentration auf, die jenseits des zulässigen Grenzwerts von 50 Milligramm je Liter liegt. Nur an knapp der Hälfte aller Stationen wurden Werte unter 25 Milligramm gemessen - das ist der Anforderungswert, der etwa in der Schweiz gilt. Die Nitratbelastung habe sich "zwischen dem letzten und dem aktuellen Berichtszeitraum nur geringfügig verbessert", heißt es in dem Bericht. In Nord- und Ostsee seien die Werte vor allem entlang der Küsten immer noch zu hoch, einzig in den Flüssen hat sich die Lage etwas entspannt.

Damit findet der Streit zwischen Berlin und Brüssel neue Nahrung. Im vorigen Jahr hatte die EU-Kommission die Bundesrepublik wegen des Verstoßes gegen die Nitratrichtlinie verklagt. Trotz einer weiterhin zu hohen Belastung mit Nitrat habe die Bundesregierung nicht gehandelt. Seinerzeit stritten Agrar- und Umweltministerium schon zwei Jahre lang über eine Novelle der Düngemittelverordnung. Sie soll helfen, die Menge des Düngers auf deutschen Feldern strikter zu kontrollieren. Zwar hat das Kabinett mittlerweile einen Entwurf dafür verabschiedet. Doch innerhalb der Koalitionsfraktionen gibt es nach wie vor Streit darüber; die ursprünglich noch im alten Jahr geplante Verabschiedung wurde verschoben. Nun soll sie kurz vor Beginn der Agrarmesse Grüne Woche Mitte Januar den Bundestag passieren.

Die Grünen sehen in den jüngsten Zahlen einen neuen Beleg verfehlter Agrarpolitik. "Die Regierung muss sich endlich ihrer Verantwortung stellen", sagte Fraktionschef Anton Hofreiter. "Wir brauchen strenge Regeln zum Grundwasserschutz und zur Düngung." Allzu großes Vertrauen in die Novelle hat aber auch Hendricks offenbar nicht. Es könne sein, dass die EU noch Nachbesserungen an der Düngeverordnung habe, sagte sie am Dienstag. "Da hätte ich nichts dagegen aus Umweltgesichtspunkten." Deutschlands Wasserwerke hätten damit auch kein Problem. Sie klagen seit Langem über die hohen Nitrat-Konzentrationen im Grundwasser, das sie deshalb vielerorts aufbereiten müssen. Langfristig brauche Deutschland eine konsequente Agrarwende mit nachhaltiger Nutzung der Böden, verlangte der Strom- und Wasserverband BDEW. Es gelte, den Ökolandbau zu stärken.

© SZ vom 04.01.2017
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