bedeckt München

Nikki Haley:Von Trumps Gegnerin zur wichtigen Beraterin

Nikki Haley

Nikki Haley geht emotional an ihren neuen Job als UN-Botschafterin der USA. Kritiker sagen auch: plakativ. Hier hält sie ihren Kollegen im UN-Sicherheitsrat Bilder von Opfern des Giftgasangriffes in Syrien vor.

(Foto: AP)

Im Wahlkampf hat Nikki Haley den jetzigen US-Präsidenten oft kritisiert - trotzdem hat Trump sie zur UN-Botschafterin gemacht. Jetzt ist Haley auch noch in einen erlauchten Kreis aufgerückt.

Porträt von Thorsten Denkler, New York

Nach ihrem öffentlichen Tweet an Donald Trump hätte Nikki Haley eigentlich keine Chance mehr haben dürfen, jemals eine wichtige Position in seinem Team zu übernehmen. "@realDonaldTrump", schreibt die Politikerin aus South Carolina vor einem knappen Jahr, "Bless your heart." Was für deutsche Ohren nett klingt, heißt in den Südstaaten der USA aber auf eine eher raue Art so viel wie: "Du liebe Güte!"

Heute ist Haley die US-Botschafterin für die Vereinten Nationen. Und spätestens seit vergangener Woche ist sie eine der wichtigsten sicherheitspolitischen Berater von US-Präsident Donald Trump.

Haley hat Trump im Wahlkampf nicht unterstützt und kaum ein gutes Wort über ihn verloren. Was der über Immigranten sage, sei "unverantwortliches Gerede", befand sie im Vorwahlkampf. An anderer Stelle erklärte sie, Trump verkörpere alles, was ein Gouverneur nicht von einem Präsidenten erwarte. In einer Rede im Januar 2016, kurz vor Beginn der Vorwahlen, sagte sie, manche glaubten, dass sie nur "die lauteste Stimme im ganzen Raum sein müssten", um etwas zu bewirken. "Das ist schlicht nicht wahr." Es gehört nicht viel dazu, diesen Satz mit Trump in Verbindung zu bringen.

Umso größer war die Überraschung, als Trump Haley zur UN-Botschafterin der USA machte. Manche deuteten das als einen geschickten Schachzug, um eine innerparteiliche Kritikerin ruhigzustellen. Trump hatte ja deutlich gemacht, dass er von den Vereinten Nationen nicht viel hält. Er hielt es nicht einmal für nötig, seiner neuen UN-Botschafterin wie üblich einen festen Platz im Nationalen Sicherheitsrat zu geben. Stattdessen wurden zunächst Leute wie sein Chefstratege und früherer Chef des ultrarechten Online-Mediums Breitbart-News, Steve Bannon, in den erlauchten Kreis befördert. Haley nahm das Amt dennoch an. Hätte sie nicht den nötigen Einfluss auf den Präsidenten, hätte sie das nicht gemacht, sagte die 45-Jährige in einem Interview mit NBCNews.

Seit vergangener Woche hat sie nun auch den festen Platz im Nationalen Sicherheitsrat, den Trump ihr zunächst verweigert hatte. Damit ist sie eine der wichtigsten außenpolitischen Stimmen der US-Regierung.

Im UN-Sicherheitsrat, in dem die USA ständiges Mitglied und eine von fünf Veto-Mächten sind, setzt die international unerfahrene Haley auf die harte Tour. In der Syrien-Frage spielte Haley plötzlich ganz vorne mit. Sie war die erste aus der Trump-Regierung, die nach dem Giftgasangriff in Syrien Anfang vergangener Woche den syrischen Machthaber Baschar al-Assad warnte, die USA würden auch im Alleingang gegen ihn vorgehen. Trump scheint seiner einstigen Gegnerin viel Spielraum zu lassen. Am Tag nach dem Bombenangriff auf Syrien ist sie es, die droht, dass die USA jederzeit zu mehr in der Lage sein. Sie hoffe aber, "dass das nicht nötig wird".

Haley ist die Tochter eines indischen Paares, das 1969 in die USA kam. Sie wuchs in dem kleinen Ort Bamberg in South Carolina mit etwas mehr als 3500 Einwohnern auf. Ihr Vater, der als Sikh den traditionellen Turban trug, war Biologie-Professor an einem College. Die Mutter führte ein kleines Geschäft für Geschenke aus exotischen Ländern. Geboren ist Nikki Haley als Nimrata Nikki Randhawa, sie wurde aber immer nur "Nikki" genannt, "die Kleine". Was aber nichts darüber sagt, was ihre Eltern ihr zugetraut haben. Ihre Mutter habe ihr immer gesagt, egal was du machst, mache es gut. Und so, dass sich alle an dich erinnern.

An der Uni studierte sie Buchhaltung, lernte dort ihren späteren Mann Michael Haley kennen. Sie heirateten auf christliche Art und nach den Riten der Sikh. Zwei Kinder haben sie. Alle vier leben im Glauben der Methodisten. Haley stieg nach den ersten Jobs in das Geschäft ihrer Mutter ein und macht baute es zu einem Unternehmen mit Millionen-Dollar-Umsatz aus. 2004 stieg Nikki Haley in die Politik ein. Ausgerechnet eine Rede der Demokratin Hillary Clinton habe sie damals dazu inspiriert, sagte sie später der Zeitschrift Vogue.

Unterstützung von Sarah Palin und der Tea Party

2011 wurde Haley die erste Frau und die erste nicht weiße Gouverneurin von South Carolina. In den Vorwahlen hatte sie so wenig Geld für die Kampagne, dass sie die Vorgarten-Werbeschilder mit ihrem Namen für fünf Dollar das Stück verkaufen musste. Für ihr Engagement zahlte sie einen hohen Preis: Selbst Parteifreunde scheuten nicht davor zurück, sie rassistisch und frauenfeindlich anzugehen. Unterstützung bekam sie von den ganz Rechten unter den Republikanern, von der Tea-Party-Bewegung, die damals große Erfolge feierte. Und von deren Ikone Sarah Palin.

2014 wurde Haley wiedergewählt - mit einem der besten Ergebnisse für einen Wahlsieger in South Carolina seit fast 25 Jahren. Ihre Siege machten Nikki Haley zu einer neuen Hoffnungsträgerin der rechten Republikaner. Hart konservativ wenn es um Waffenrecht, das Abtreibungsrecht oder Krankenversicherung geht. Und nicht auf den Mund gefallen. Ihre Fans verehren sie als Kämpferin.

Nicht alle aber bedauern, dass sie für den neuen Job das Gouverneurs-Amt verlassen und nach New York gegangen ist. "Ich bin ein Fan der alten Nikki Haley", sagt Harry Cato in der New York Times über sie. "Die neue Nikki Haley ist mehr eine PR-Maschine." Cato war ein eher moderater republikanischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus von South Carolina. Kritiker sagen, es sei erstaunlich, mit welcher Selbstgewissheit Haley bar jeder diplomatischen Erfahrung im UN-Sicherheitsrat auftrete. Ihre Beiträge seien oft sehr plakativ und wenig substantiell. Wer die vermeintlichen Pläne der US-Regierung durchkreuze werde von ihr öffentlich benannt, quasi an den Pranger gestellt.

Es heißt, Haley umgebe sich lediglich mit ein paar eigenen Leuten aus South Carolina und einigen konservativen Beratern. Außenpolitische Experten, Kenner des diplomatischen Parkettes aber ziehe sie nur hinzu, wenn es unbedingt nötig ist. In diesen Punkten scheinen sich Trump und Haley ähnlich zu sein.

In ihrer Heimat nehmen ihr übel, dass sie sich 2015 an die Spitze derer gestellt hat, die die Flagge der Konföderierten vor dem Kapitol von South Carolina verbieten ließen. Ein halbes Jahr zuvor hatte ein weißer Nationalist in einer Kirche neun Afroamerikaner in einer Kirche in Charleston erschossen. Haley sagte, die Flagge stehe für weißen Rassismus und Nationalismus. Dass diese Flagge weiter wehe, könne sie nicht vor ihren Kindern verantworten.

Nikki Haley geht Kontroversen nicht aus dem Weg. Und sie wird vermutlich noch einige vor sich haben. Es heißt, der Job als UN-Botschafterin sei nur ein Zwischenschritt zu einem viel größeren Ziel: Präsidentin der Vereinigten Staaten. Als sie ein Reporter von NBCNews in einem Fernsehinterview danach fragt, lächelt sie. Und es beschleicht einen das Gefühl, dass es ein verräterisches Lächeln war. Den Rat ihrer Mutter hat sie jedenfalls befolgt: Nikki Haley ist schon jetzt in bleibender Erinnerung.

© SZ.de/liv/ghe

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite