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Nigeria:Siebenjährige für tödlichen Anschlag missbraucht

  • Ein siebenjähriges Mädchen sprengt sich auf einem Markt im Nordosten Nigerias in die Luft und reißt mehrere Menschen mit in den Tod.
  • Kurz zuvor verkündet die nigerianische Armee, die Stadt Baga von der Terrorgruppe Boko Haram zurückerobert zu haben.
  • Boko Haram greift im Niger Soldaten der Armee an, muss aber selbst Verluste verkraften.

Zahlreiche Tote und Verletzte

Ein siebenjähriges Mädchen hat am Sonntag in Nigeria sich selbst und fünf weitere Menschen in den Tod gerissen, als ein an seinem Körper befestigter Sprengsatz explodierte. 19 weitere Menschen seien verletzt worden, sagte ein Mitglied einer Bürgerwehr. Der Sprengsatz detonierte auf einem Markt der Stadt Potiskum im Nordosten des Landes.

Das Mädchen habe sich geweigert, sich am Eingang eines Marktes überprüfen zu lassen, berichteten die Zeugen. Nach einem Streit mit dem Sicherheitspersonal zündete der Sprengsatz.

Bekannt hat sich zu der Tat bisher niemand. Allerdings hatten sich auf dem Markt bereits im Januar zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und dabei sechs Menschen getötet. Die Region von Potiskum gilt als Hochburg der Terrorgruppe Boko Haram. In der Vergangenheit hatte die islamistische Bewegung mehrfach Mädchen als Selbstmordattentäterinnen missbraucht.

Rückeroberung der Stadt Baga

Kurz bevor sich das Mädchen in die Luft sprengte, hatte die nigerianische Armee verkündet, sie habe die von Boko Haram eingenommene Stadt Baga zurückerobert. Bei heftigen Gefechten um die Stadt am Tschad-See im Nordosten Nigerias sei "eine große Zahl von Terroristen" getötet worden, sagte der Militärsprecher Chris Olukolade am Samstag. Eine unabhängige Bestätigung für diese Nachricht gibt es nicht.

Die Nachricht von der Rückeroberung verbreitete das nigerianische Militär über Twitter, dort hieß es: "Truppen haben heute Nachmittag nach heftigen Gefechten mit Terroristen Baga eingenommen. Schwere Verluste." Militärsprecher Olukolade sagte, die nigerianische Armee hätte die Waffen- und Materialbestände der Extremisten in Baga zerstört.

Bereits vor wenigen Tagen hatte die nigerianische Armee die 65 Kilometer von Baga entfernte Garnisonsstadt Monguno eingenommen. Die Truppen setzen ihren Angriff dann in Richtung Baga fort.

Boko Haram greift im Niger an

Boko Haram tötete im Gegenzug sieben nigirische Soldaten bei einem Angriff im Nachbarland Niger. Nach Angaben der nigerianischen Armee verlor die Terrorgruppe dabei 14 ihrer Kämpfer. Ein Vertreter der tschadischen Sicherheitskräfte sagte, die Angreifer hätten nach dem Überfall versucht, über den See in den Tschad zu gelangen, aber die Luftwaffe habe ihre fünf Boote zerstört.

Boko Haram hatte im Januar die Stadt Baga gestürmt. Dort befand sich zu diesem Zeitpunkt das Hauptquartier einer multinationalen Truppe Nigerias, Kameruns, des Tschad und des Niger. Seit dem Angriff sollen dort Hunderte Menschen ums Leben gekommen sein. In den vergangenen Monaten hatte die radikal-islamische Gruppe ihre Angriffe vom Nordosten Nigerias auf Kamerun, den Tschad und den Niger ausgedehnt.

Anfang Februar hatten die vier Länder deshalb beschlossen, eine Eingreiftruppe von 8700 Soldaten gegen die Rebellen einzusetzen.