Nigeria Ex-Diktator als Hoffnungsträger im Kampf gegen Boko Haram

In den Achtzigerjahren war Muhammadu Buhari der Kopf einer Militärdiktatur. Nun wurde er demokratisch zum Präsidenten gewählt.

(Foto: Afolabi Sotunde/Reuters)
  • Nigerias neuer Präsident Buhari war in den Achtzigerjahren Diktator des ölreichen Landes. Im März wurde der 72-Jährige dann demokratisch gewählt.
  • Er gilt als Hoffnungsträger im Kampf gegen Boko Haram, aber auch gegen Armut und Korruption.
  • Sein Vorgänger Jonathan bereicherte sich am Staat. In seinen letzten Wochen im Amt geht er entschlossen gegen die islamistischen Kämpfer vor - ein ruhmreicher Abgang könnte ihn vor Strafverfolgung schützen.
Von Isabel Pfaff

Nigerias designierter Präsident Muhammadu Buhari hat zwei Gesichter. In den Achtzigerjahren saß er schon einmal für anderthalb Jahre an der Spitze des ölreichen Staates - damals aber als Militärdiktator, der nicht viel auf die Einhaltung der Menschenrechte gab. Ende März kam der 72-Jährige nun auf demokratischem Weg in das Amt - als Hoffnungsträger für ein Land, das nicht nur vom Terror der Miliz Boko Haram erschüttert wird, sondern auch von Armut und massiver Korruption geplagt ist. An diesem Freitag wird Buhari als neuer Staatschef vereidigt.

Er löst die Regierung von Goodluck Jonathan ab - und das, obwohl kaum jemand die Abwahl dieser Administration für möglich gehalten hatte. Zu berüchtigt war sie für ihre Kontrolle des politischen Apparats und ihren Missbrauch der Staatseinnahmen. Doch die Nigerianer wollten einen Wandel - so sehr, dass der Jonathan-Regierung auch ein verschobener Wahltermin und ein paar Erfolge gegen Boko Haram nicht halfen. Die Erwartungen an den neuen Präsidenten sind hoch. Er muss nun zeigen, ob er seine autoritäre Vergangenheit wirklich hinter sich gelassen hat oder nicht. Und ob er die zwei größten Probleme des Landes, den Terror und das Versickern der Öleinnahmen, lösen kann. Seine Wähler knüpfen ihre Hoffnung an zwei Eigenschaften von Buhari, die sich schon in seiner ersten Amtszeit zeigten: sein Hass auf Korruption und sein Einfluss auf das Militär, aus dem er selbst stammt.

Spektakuläre Offensive im Sambisa-Wald

Was Boko Haram angeht, so sind der scheidenden Regierung in ihren letzten Wochen überraschende Erfolge gelungen. Mit Unterstützung der Nachbarländer konnte Nigerias Armee den Großteil der Orte zurückerobern, die die Islamisten seit dem vergangenen Sommer unter ihre Kontrolle gebracht hatten. In einer spektakulären Offensive wagten sich die Soldaten sogar in den Sambisa-Wald im äußersten Nordosten vor und zerstörten dort zahlreiche Rückzugslager der Miliz. Dabei konnten sie Hunderte Geiseln befreien. Doch was Armee und Regierung als großen Schlag gegen den Terror verkauften, wäre schon viel früher möglich gewesen. Dass Boko Haram vom Sambisa-Wald aus agiert, ist in Nigeria seit Jahren bekannt. Das Desinteresse der Regierung und der fehlende Wille der Armeeführung hatten bislang verhindert, dass diese Verstecke gehoben wurden.

Das plötzliche Engagement so kurz vor dem Abschied kommt nicht von ungefähr. "Präsident Jonathan und die Armeeführung haben Interesse an einem ruhigen Lebensabend", erklärt der Politologe und Nigeria-Experte Heinrich Bergstresser. "Ein ruhmreicher Abgang bewahrt sie vor Strafverfolgung." Jonathans Administration hat nach Ansicht von Beobachtern Milliarden aus dem Staatshaushalt beiseitegeschafft, und die Armeeführung soll sich hemmungslos am Verteidigungsetat bedient haben. Nun fürchten sie Buharis angekündigten Kampf gegen Korruption - und tun endlich das, was längst nötig war.

Menschen im verarmten Norden brauchen eine Perspektive

Experten wie Bergstresser halten den neuen Präsidenten für fähig, die Plünderungen der Staatskasse in den Griff zu bekommen. "Buhari wird nicht alle Schuldigen vor Gericht bringen, aber zumindest wird er einen Teil der Gelder zurückholen", ist Bergstresser überzeugt.

Dem Ex-General Buhari wird außerdem zugetraut, die Streitkräfte zu reformieren. Mit einer neuen, weniger korrupten Armeeführung kann der Kampf gegen Boko Haram gelingen, das zeigen bereits die aktuellen Erfolge des Militärs. Die Islamisten können nun nicht mehr wie eine normale Armee auftreten und ganze Ortschaften einnehmen. Doch beendet ist der Terror noch nicht: Die Miliz verübt wieder vermehrt Selbstmordanschläge. So wird es wohl weitergehen, wenn die Menschen im verarmten Norden, der Hochburg der Terroristen, nicht bald eine Perspektive bekommen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jonathan scheint Buhari das erkannt zu haben: In einem Beitrag für die New York Times kündigte er an, die sozialen und wirtschaftlichen Ursachen des Terrors endlich anzugehen. Nigerias Aussichten könnten schlechter sein.