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Nigeria nach den Wahlen:40.000 Menschen fliehen vor Gewalt

Nach dem Wahlsieg von Goodluck Jonathan verlassen Zehntausende Nigerianer ihr Land. Vor allem Christen fürchten um ihr Leben.

In Nigeria haben seit der Wiederwahl von Präsident Jonathan Goodluck 40.000 Menschen das Land verlassen. Sie fliehen vor den schweren Ausschreitungen, die durch Wahlergebnis ausgelöst wurden. Seit Montag sind im Norden des Landes mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 400 Nigerianer wurden seit Ausbruch der Unruhen verletzt. Ausgebrannte Minibusse und Autos säumen die Straßen.

Der Grund für die Unruhen ist die religiöse Spaltung des Landes, die durch das Ergebnis der Präsidentschaftswahl erneut zu Tage getreten war. Der Wahlsieger Jonathan erhielt einen Großteil seiner Stimmen im christlich geprägten Süden des Landes, während die meisten Menschen im muslimischen Norden für seinen Herausforderer, den ehemaligen Militärmachthaber Muhammadu Buhari, votierten.

Im Norden hatten während der Wahl viele geglaubt, Jonathan habe keine Chance. Als sein Vorsprung vor Buhari immer größer wurde, entluden sich dort Frust und Wut in Gewalt in der Jagd auf Christen. Sie gelten mit einem Bevölkerungsanteil von 40 Prozent in Nigeria als Minderheit. Im nordnigerianischen Kaduna wurden eine katholische Kirche und mehrere Polizeistationen niedergebrannt. In anderen Städten im Norden des Landes wie Kanu und Zaria zündete der Mob die Häuser von Funktionären der Partei PDP an, der auch Wahlsieger Jonathan angehört.

Seitdem patrouillierten Soldaten in den Konfliktherden. Am Dienstag blieben Geschäfte geschlossen, Menschen verbarrikadierten sich in ihren Häusern. Viele Nigerianer erinnern sich mit Grauen an die seit Jahren andauernden Gewalttaten zwischen rivalisierenden Christen und Muslimen in Zentralnigeria. Hunderte wurden bei Massakern getötet. Nun fürchtet besonders die christliche Minderheit im Norden, dass es dort zu ähnlich grauenvollen Szenen kommen könnte.

Obwohl Muhammadu Buhari nach seiner Wahlniederlage von der Gewalt distanzierte, heizte er die Stimmung mit der Behauptung auf, es sei zu massiver Wahlfälschung gekommen. Dabei hatten Internationale Wahlbeobachter das genaue Gegenteil bescheinigt: Sie beurteilten die Abstimmung als eine der fairsten und transparentesten in der Geschichte des Landes, das als größter Ölproduzent und bevölkerungsreichster Staat Afrikas eine führende Rolle auf dem Kontinent einnimmt.

© sueddeutsche.de/reuters/fiem/woja
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