Nigeria Boko Haram lässt 82 verschleppte Mädchen frei

  • In einem Tausch gegen inhaftierte Boko-Haram-Mitglieder sind in Nigeria weitere 82 Mädchen freigekommen, die im April 2014 von der Terrormiliz entführt worden waren.
  • Die Regierung in Abuja sprach von "langwierigen Verhandlungen".
  • Das Schicksal vieler weiterer verschleppter Schülerinnen bleibt unklar.

Nach mehr als drei Jahren in der Gewalt islamistischer Boko-Haram-Extremisten sind 82 Schülerinnen aus dem nigerianischen Chibok freigelassen worden. Das Büro von Präsident Muhammadu Buhari bestätigte ihre Freilassung in der Nacht zum Sonntag. Demnach sind die Mächen nach langwierigen Verhandlungen im Austausch gegen mehrere inhaftierte Boko-Haram-Kämpfer freigekommen. Sie sollen am Sonntag in der Hauptstadt Abuja von Buhari empfangen werden.

Im April 2014 hatte Boko Haram 276 überwiegend christliche Mädchen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren aus einer Schule in Chibok im instabilen Nordosten des Landes verschleppt. 57 von ihnen gelang kurz danach die Flucht. Die Entführten sollen von Boko Haram zum Übertritt zum Islam genötigt und teils als Sexsklavinnen gehalten worden sein. Experten halten es auch für möglich, dass einige von ihnen zu Selbstmordanschlägen gezwungen wurden.

Die Entführung der Schülerinnen sorgte international für Entsetzen. Im Internet entwickelte sich rasch eine Solidaritätskampagne für die Freilassung der Mädchen. Viele Prominente, darunter die damalige US-First-Lady Michelle Obama, unterstützten die Kampagne "Bring Back Our Girls" ("Bringt unsere Mädchen zurück").

195 Schülerinnen wurden bis zuletzt noch vermisst

Seither konnten einige der verschleppten Mädchen vom Militär befreit oder durch Verhandlungen in Sicherheit gebracht werden. Nach dem jüngsten Gefangenenaustausch ist weiter unklar, wieviele Schülerinnen sich noch in der Gewalt von Boko Haram befinden. 195 von ihnen wurden bis zuletzt noch vermisst.

Boko Haram terrorisiert seit 2009 den Nordosten Nigerias. Die sunnitischen Fundamentalisten wollen dort und in den angrenzenden Gebieten der Nachbarstaaten Kamerun, Tschad und Niger einen sogenannten Gottesstaat errichten. Bei Anschlägen und Angriffen der Terrormiliz kamen seither mindestens 14 000 Menschen ums Leben. Die Gewalt trieb nach Angaben der Vereinten Nationen rund 2,7 Millionen Menschen in die Flucht.

Zuletzt mussten die Extremisten jedoch militärische Niederlagen einstecken. Truppen der nigerianischen Regierung eroberten mit Hilfe von Nachbarstaaten große Teile der einst von Boko Haram kontrollierten Gebiete zurück.

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