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Terror in Nigeria:Boko Haram treibt Tausende in die Flucht

  • Die Terrorgruppe Boko Haram treibt in Nigeria immer mehr Menschen in die Flucht. Allein in den vergangenen zehn Tagen sollen es mehr als 7000 Flüchtlinge gewesen sein.
  • Boko Haram hat im Nordosten des Landes eine großangelegte Offensive durchgeführt. Zur Zahl der Opfer und dem Hergang gibt es widersprüchliche Angaben.
  • Es war die zweite schwere Angriffswelle in der Region innerhalb weniger Tage.
  • Nigerias Nachbarstaat Kamerun fordert internationale Hilfe im Kampf gegen die islamistische Terrorgruppe.

7300 Menschen retten sich in den Tschad

Die Gewalt der Terrororganisation Boko Haram in Nigeria treibt immer mehr Menschen in die Flucht. Das UN-Flüchtlingshilfswerk teilte mit, etwa 7300 Flüchtlinge seien allein in den vergangenen zehn Tagen im benachbarten Tschad angekommen, um sich vor den Kämpfen rund um Baga in Sicherheit zu bringen. Im vergangenen August gab das UNHCR die Zahl der Flüchtlinge mit 650 000 an, die wegen des Boko-Haram-Terrors seit Mai 2013 in andere Landesteile geflohen waren. Zehntausende haben im Laufe der vergangenen Monate in Nachbarländern Zuflucht gesucht.

Nigerianisches Militär kündigt Gegenoffensive an

Die nigerianischen Streitkräfte kündigten unterdessen an, die Ortschaften im Nordosten des Landes zurückerobern zu wollen. Das sagte ein ranghoher Regierungsvertreter örtlichen Medienberichten zufolge. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass bei den Angriffen der Terrororganisation rund um die Stadt Baga im Bundesstaat Borno in den vergangenen Tagen offenbar Hunderte Menschen getötet worden sind.

Der Sprecher des nationalen nigerianischen Informationszentrums, Mike Omeri, sagte der Zeitung Premium Times, die Lage in Baga habe sich bereits gebessert. Er weigerte sich aber Einzelheiten zu nennen, da es sich um einen laufenden Militäreinsatz handle.

Die Regierung äußerte sich nicht zu möglichen Opferzahlen. Staatschef Goodluck Jonathan befindet sich derzeit in der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfs vor der Abstimmung am 14. Februar.

Widersprüchliche Angaben zu Opferzahlen

Boko Haram hatte im Norden Nigerias nach Angaben eines örtlichen Regierungsvertreters eine große Offensive durchgeführt. Dabei seien in dem westafrikanischen Land elf Ortschaften angegriffen worden, sagte der Sicherheitsbeamte des Bundesstaates Borno.

Einen Bericht des britischen Senders BBC, wonach es womöglich bis zu 2000 Todesopfer geben solle, wies er entschieden zurück. Der Beamte, der wegen der kritischen Lage nicht namentlich genannt werden wollte, machte jedoch keine Angaben, wie viele Opfer befürchtet würden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung des Leiters des Bezirks von mehr als 100 Toten.

Die BBC hatte zuvor unter Berufung auf einen regionalen Behördenvertreter gemeldet, die militanten Islamisten hätten fast die gesamte Grenzstadt Baga niedergebrannt. Leichen würden die Straßen von Baga pflastern, es gebe Befürchtungen, dass etwa 2000 Menschen getötet worden seien. Berichten von Flüchtenden zufolge sei die Stadt, in der zuvor etwa 10 000 Menschen lebten, nun "praktisch nicht mehr existent".

Zweite Angriffswelle in der Region

Die Angriffe fanden offenbar bereits am Mittwoch in der Nähe der Stadt Baga statt. Da in der abgelegenen Region Telefone nur noch eingeschränkt funktionieren, dauert es häufig länger, bis es belastbare Nachrichten von dort gibt.

Es ist der zweite Angriff von Boko Haram auf die Stadt binnen weniger Tage. Bereits am Samstag waren in Baga stationierte Einheiten der Armeen von Nigeria, dem Tschad und dem Niger vor den Terroristen geflohen und hatten die Bevölkerung schutzlos zurückgelassen. Tausende Bewohner waren daraufhin geflohen.

Der BBC zufolge kontrolliert Boko Haram jetzt Baga und 16 benachbarte Dörfer und Städte.

Kameruns Präsident fordert Internationale Hilfe

Kamerun fordert für den Kampf gegen die islamistische Terrorgruppe die Hilfe der internationalen Gemeinschaft. "Eine weltweite Bedrohung bedarf einer weltweiten Antwort", sagte Präsident Paul Biya. Islamistische Fundamentalisten vom ostafrikanischen Somalia bis nach Westafrika verfolgten die gleichen Ziele, sagte er. Sein Appell kam einen Tag nachdem der Anführer der aus Nigeria stammenden Boko Haram in einer Video-Botschaft mit mehr Angriffen auf Kamerun gedroht hatte.

Ziele von Boko Haram

Boko Haram will in der Region einen Gottesstaat errichten. Im Norden des ölreichen westafrikanischen Landes Nigeria sind bei Terroranschlägen bereits Tausende ums Leben gekommen. Inzwischen geraten aber auch der angrenzende Tschad und der Norden Kameruns stärker in den Fokus von Boko Haram. Kamerun hat deshalb bereits Tausende zusätzliche Soldaten an die Grenze verlegt.