Ehemaliger Brexit-Partei-Chef:Nigel Farage macht jetzt Fernsehen

Nigel Farage visits Sedgefield

"In den britischen Medien gibt es so gut wie keine Diversität": Nigel Farage hat eine eigene TV-Show bekommen.

(Foto: Scott Heppell/Reuters)

Er war fraglos eine der entscheidenden politischen Figuren bei der Herbeiführung des britischen EU-Ausstiegs. Jetzt hat er ein neues Projekt - zur besten Sendezeit bei einem rechtskonservativen Sender.

Von Alexander Menden

Eine große neue Aufgabe stehe für ihn an, so hatte es Nigel Farage auf Twitter angedeutet. Der ehemalige Ukip- und Brexit-Party-Vorsitzende - fraglos eine der entscheidenden politischen Figuren bei der Herbeiführung des britischen EU-Ausstiegs - suchte schon länger nach einer neuen Nische. Nun hat er sie gefunden: Farage präsentiert seit zwei Wochen von Montag bis Donnerstag zur besten Sendezeit seine eigene Show beim rechtskonservativen Privatsender GB News. "Obwohl so viel über Diversität gesprochen wird, gibt es in den britischen Medien so gut wie keine Diversität", sagte er bei seinem ersten Auftritt. "Sie alle sind links der Mitte, liberal, woke und pro Cancel Culture." Um dieses vermeintliche Problem zu lösen, war GB News am 13. Juni auf Sendung gegangen.

Bevor GB News gestartet wurde, sahen viele Kommentatoren ihn als Bedrohung für die British Broadcasting Corporation BBC. Zeit und Stimmung im Vereinigten Königreich schienen reif zu sein für einen neuen, rechtspopulistischen Sender im Stile von Fox News in den USA. Und da Fox-Eigentümer Rupert Murdoch Pläne für einen ähnlichen Sender im Vereinigten Königreich drastisch zurückgefahren hatte, war die Bahn frei für GB News. Unter anderem finanziert von den Medienkonzernen Liberty Global und Discovery hatte GB News sich einen großen Namen als Vorsitzenden gesichert: Andrew Neil, einer der schärfsten Interviewer der BBC und zugleich Herausgeber des rechtskonservativen Spectator, sollte GB News die nötige Gravitas verleihen. Zielpublikum waren vor allem weiße Brexit-Fans, die "stolz darauf sind, britisch zu sein", wie Neil es beim Start formulierte.

Auch eine weniger London-zentrische Sichtweise wurde angekündigt. "Metropolitan" steht in der Sprachregelung von GB News für all die Charakteristika, die Farage in seiner Kritik der britischen Medien bemängelt hatte. Lokale Nachrichtenstationen sollten eine stärker regional ausgerichtete Berichterstattung garantieren.

Ein gebeugtes Knie - und schon sanken die Zuschauerzahlen

Am ersten Abend schalteten 164 400 Menschen ein - gut 31 000 mehr als beim BBC News Channel. Doch die Zuschauerzahlen sanken danach rapide. Zu einem signifikanten Einbruch führte eine Sendung, in der Guto Harri, ein früherer Berater Boris Johnsons, in Solidarität mit den rassistisch angegriffenen britischen Fußballspielern das Knie beugte. Das kam beim genannten Zielpublikum offenbar gar nicht gut an. Die Zuschauerzahlen sanken weiter.

Im Sender hat sich klar die Gruppe derjenigen durchgesetzt, die ohnehin noch stärker auf die rechtspopulistische Karte setzen wollten. Andere, die mindestens ebenso großes Potenzial in einer weniger meinungspolitisch aufgeladenen Regionalberichterstattung sahen, wurden nach Informationen des Guardian marginalisiert. John McAndrew, der Programmdirektor des Senders, ist aufgrund dieser Entwicklung zurückgetreten. GB News positioniert sich damit ganz offen als ein nationalistischer Fernsehkanal, der den Krieg der Kulturen propagiert und mit Themen wie illegaler Einwanderung und Transgender-Lobbyismus zu punkten versucht. Deshalb also Nigel Farage. Er soll es richten.

© SZ
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