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Niedersachsen:Zu viel Nähe auf dem Zuckerfest

Coronavirus - Göttingen

Bei mehreren größeren privaten Feiern haben sich in Göttingen etliche Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Viele wohnen in diesem Hochhaus.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Nach Dutzenden Corona-Neuinfektionen schließt Göttingen Schulen und Kitas wieder. Bis zu 700 Personen sollen nun getestet werden.

Von Peter Burghardt, Hamburg

Ein Hochhaus am Nordrand von Göttingen in Niedersachsen. Das traditionelle Zuckerfest zum Ende des Ramadan, dem muslimischem Fastenmonat. Offenbar waren die Feiern in dem Gebäude Quelle einer größeren Infektion durch Corona, mindestens 80 Menschen sollen sich infiziert haben, wie die Stadtverwaltung meldete, darunter 24 Kinder. Weitere Tests stünden aus. Und jetzt sind in Göttingen, 135 000 Einwohner, ungefähr 30 000 Studenten, und dem umliegenden Landkreis bis zum Wochenende wieder alle Schulen und Kitas geschlossen.

Die Kommune will auf diese Weise verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreiten kann - und versuchen, mögliche Infektionsketten in diesen Tagen flächendeckend nachzuvollziehen. Deshalb sollen alle Bewohner der betroffenen Wohnanlage getestet werden, bis zu 700 Personen, wie Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) sagte. "Es handelt sich um eine präventive Maßnahme, um das Infektionsgeschehen besser einschätzen zu können", so die Stadt. Die Hausverwaltung solle ein Hygienekonzept erstellen, auch Quarantäneanordnungen würden überprüft. Von Montag an soll an den Schulen dann 14 Tage lang Nasen-Mundschutz getragen werden.

Laut Göttingens Krisenstab haben die Ansteckungen ab 23. Mai ihren Lauf genommen. Bei mehreren Feiern rund um das Zuckerfest hätten sich Familien zu privaten Feiern getroffen und nicht an das Distanzgebot gehalten. Ein Patient, er wird im Krankenhaus behandelt, gilt als Fall Nummer eins dieser Infektion. Es soll zu Verstößen gegen die Corona-Regeln von Abstand und Hygiene gekommen sein. Unter anderem heißt es, verschiedene Besucher einer Shisha-Bar hätten dasselbe Mundstück benützt. Auch auswärtige Gäste sollen angereist sein. Insgesamt 370 Kontaktpersonen der Infizierten stehen unter Quarantäne, 230 davon in und um Göttingen sowie 140 aus dem übrigen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Auch in anderen Gegenden hatte es zuletzt Ausbrüche von Covid-19 gegeben, darunter in Kirchen in Frankfurt und Bremerhaven sowie nach einem Fest in einem Lokal in Leer, dessen Besitzer seinen Gasthof inzwischen aufgegeben hat. Nun also Göttingen. Der hessische Virologe Friedemann Weber warnte in der Rhein-Neckar-Zeitung: "Die Menschen haben sich offenbar nicht an die Regeln gehalten und schon explodieren die Infektionszahlen", Göttingen beweise dies. "Ich fürchte, dass es in absehbarer Zeit keine Großveranstaltungen geben wird."

© SZ vom 04.06.2020

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