Niedersachsens Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe, Deniz Kurku (SPD), legt sein Ehrenamt mit sofortiger Wirkung nieder. Seit der Gewalttat von Stade soll Kurku mit Anfeindungen, Falschbehauptungen und Morddrohungen konfrontiert gewesen sein, begründete er in einer Mitteilung der Staatskanzlei seine Entscheidung. Er könne sein Amt unter diesen Bedingungen nicht mehr in erforderlichem Maße ausüben.
Kurkus Schwiegermutter soll nach Angaben der Ermittler den Fluchtwagen des Mannes gefahren haben, der Ende Juni sechs Menschen in einer Mutter-Kind-Einrichtung erschossen haben soll. Welche Rolle Kurkus Schwiegermutter genau spielte und ob und wie sie an der Tat beteiligt war, wird derzeit noch ermittelt.
Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Täter wurden eingestellt. Der 45-Jährige soll sich im Juli in seiner Gefängniszelle das Leben genommen haben. Als Motiv für die Tat, bei der drei Mitarbeitende des Jugendamts Hannover sowie drei weitere Beschäftigte getötet wurden, vermuteten die Ermittler einen Streit um das Sorgerecht für die Tochter, das den Eltern zuvor wegen eines Verdachts auf ein Schütteltrauma bei dem Säugling entzogen wurde. Die Schwiegermutter Kurkus hatte sich in der Auseinandersetzung der Eltern mit den Behörden für die Eltern eingesetzt.
Zuletzt hatte das Portal Nius behauptet, Kurku sei in den Fall über seine Schwiegermutter eingebunden worden, ohne dafür Belege zu liefern. Kurku erklärte über seinen Anwalt, weder den Tatverdächtigen noch dessen Familie gekannt zu haben. Er sei außerdem nicht in die Auseinandersetzung der Eltern mit dem Jugendamt eingebunden gewesen und habe keine Kenntnis von der möglichen Tat gehabt.
Über die Nachfolge Kurkus soll nach Angaben der Staatskanzlei bald entschieden werden, es laufen dazu im Hintergrund bereits Gespräche, wie eine Regierungssprecherin mitteilte.

