Richter weisen Hass-Vorwürfe ab:Ein passendes Urteil zur "Wilders-Wende" in der Integrationspolitik

Dank des Richterspruchs kann Wilders nun noch lauter denn je ein Verbot des Korans sowie der Burka verlangen. Sein umfassender Freispruch passt zur neuen, wenige Tage vor dem Urteil verkündeten Regierungspolitik in Sachen Ausländerintegration.

Danach sind Migranten - vor allem solche aus fremden Religions- und Kulturkreisen - künftig verpflichtet, sich selbst ohne staatliche Hilfe in die Gesellschaft zu integrieren. Sie müssen ihre Teilnahme an Einbürgerungskursen gewährleisten, die aus eigener Tasche zu bezahlen sind. Wer die Integrationsprüfung nicht schafft, verliert die Aufenthaltsgenehmigung.

So steht es in der neuen Leitlinie zur Haager Integrationspolitik der Regierung. Sie bedeute nichts Geringeres als die endgültige Abkehr von der jahrelang verfolgten "Idee von den Niederlanden als einer multikulturellen Gesellschaft", erklärte der christdemokratische Innenminister Piet Hein Donner. Es gelte, dafür sorgen, dass das die guten alten Niederlande "noch erkennbar und zugleich jene Niederlande bleiben, die wir an unsere Kinder und Enkel weitergeben wollen".

Ein Land also - wie Wilders gern sagt - "für Henk und Ingrid, nicht für Ahmed und Fatima". Ein "historischer Fehler" sei dieser Kurswechsel in der Integrationspolitik, warnte der sozialdemokratische Oppositionsführer Job Cohen. Migranten nach dem Motto "Passt euch an oder verschwindet" sich selbst zu überlassen, werde sich rächen. "Dafür bekommen wir in ein paar Jahren die Rechnung präsentiert."

Die Regierung hingegen argumentiert, dass den Niederlanden vielmehr gerade dann Unruhen bevorstehen, wenn man nicht endlich gegensteuere. Es werde Schluss damit gemacht, dass Ausländerkinder "hauptsächlich die Kultur ihrer Herkunftsländer erlernen". Insgesamt müsse der Zustrom von Immigranten "gebändigt werden". Das klingt fast exakt wie das Wahlprogramm, mit dem Wilders im vorigen Jahr seine Freiheitspartei zur drittstärksten politischen Kraft gemacht hat.

Ohne die PVV-Populisten geht in Den Haag kaum noch etwas: Die Wilders-Partei verschafft der Minderheitsregierung aus Rechtsliberalen und Christdemokraten auf der Basis eines "Duldungsvertrages" die erforderliche Mehrheit im Parlament. In der Bevölkerung hat die Regierung, die ansonsten wegen harter Sparmaßnahmen in der Kritik steht, mit der "Wilders-Wende" in der Integrationspolitik breite Zustimmung erfahren. Rund drei Viertel der Niederländer unterstützen laut Umfragen den neuen Kurs.

Selbst bei Wählern der Sozialdemokraten und der Grün-Linken lag die Unterstützung dafür bei mehr als 50 Prozent. Und insgesamt 83 Prozent sprachen sich für ein Burka-Verbot nach dem Vorbild Frankreichs aus.

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