Niederlage für IS Kurden befreien Kobanê weitgehend

Archivbild vom Oktober vergangenen Jahres: Mit Hilfe von Luftangriffen der USA und ihrer arabischen Verbündeten gelang es den Kurden, die Extremisten nach und nach zurückzudrängen.

(Foto: dpa)
  • Kurdische Kämpfer sollen die umkämpfte Stadt Kobanê inzwischen weitgehend kontrollieren.
  • Vier Monate dauerten die Kämpfe - am Ende gelang es den Kurden, den Kämpfer des Islamischen Staats mithilfe von Luftschlägen der USA und deren Verbündeten zurückzuschlagen.
  • Für den IS ist der Verlust Kobanês eine symbolische Niederlage.

Nur noch kleine Widerstandsnester

Nach mehr als vier Monaten erbitterter Kämpfe haben die Kurden die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) aus der syrischen Grenzstadt Kobanê vertrieben. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrollierten "praktisch die gesamte Stadt", erklärte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Nur im äußersten Osten, am Rand des Stadtteils Maktala, kämpften noch einige Extremisten. Ansonsten habe sich der IS mit seinen Einheiten vor die Stadt zurückgezogen, heißt es. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien verfügt in Syrien über ein dichtes Netz von Informanten. Ein Sprecher der kurdischen Kämpfer bestätigte der Presseagentur dpa, es gebe nur noch wenige kleine Widerstandsnester. Sie würden aber bald besiegt sein.

Mithilfe von Luftangriffen wurde der IS zurückgedrängt

In den vergangenen Monaten hatte der IS zeitweise mehr als die Hälfte der Stadt unter Kontrolle. Doch mithilfe von Luftangriffen der USA und ihrer Verbündeten gelang es den Kurden, die Extremisten nach und nach zurückzudrängen. Sie erhielten dafür auch Unterstützung von Kurden aus dem Irak, die schwere Waffen nach Kobanê brachtenn.

Die Einnahme der Stadt an der Grenze zur Türkei wäre ein wichtiger Erfolg für die Islamisten gewesen. Dass die Kurden Kobanê verteidigen konnten, werten Experten als bislang wichtigste Niederlage für die Extremisten und als möglichen Wendepunkt. Mehr als 1000 IS-Kämpfer wurden in den Kämpfen getötet. Insgesamt habe es 1600 Tote gegeben, berichtete die Beobachtungsstelle. Die IS-Terrormiliz beherrscht jedoch noch das Umland von Kobanê.

Symbolische Bedeutung der Stadt Kobanê

Der Vertreibung der Terrormiliz aus Kobanê kommt vor allem eine symbolische Bedeutung zu. Die Bewohner der Stadt und der etwa 300 umliegenden Dörfer, die dem IS in die Hände gefallen waren, werden kaum schnell in ihre Heimat zurückkehren können, schon wegen der Zerstörungen nicht, die die Kämpfe angerichtet haben. Die IS-Milizen hatten Kobanê wochenlang mit schwerer Artillerie beschossen. Am Montag versuchten kurdische Einheiten, Sprengfallen und Minen zu entschärfen, welche die Dschihadisten auf ihrem Rückzug gelegt hatten.

In der türkischen Stadt Suruç war erst am Sonntag das größte Flüchtlingslager des Landes eröffnet worden, das 35 000 Kurden Zuflucht bieten soll. Nach Angaben der Regierung in Ankara sind 200 000 Menschen vor den Kämpfen um Kobanê über die Grenze geflohen. 32 Zivilisten und 500 kurdische Kämpfer wurden laut der Beobachtungsstelle für Menschenrechte seit September in den Gefechten getötet, zudem 1100 IS-Kämpfer.

Weiterer Erfolg gegen den IS im Irak

Das irakische Militär meldete am Montag die Vertreibung des IS aus der Provinz Dijala. "Irakische Streitkräfte kontrollieren alle Städte, Bezirke und Kantone der Provinz", sagte General Abdelamir al-Saidi. Dijala befindet sich westlich von Bagdad, in der Provinz liegt ein wichtiges Ölfeld.

Mitarbeit: Paul-Anton Krüger, Kairo