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Nicaragua:Unheilvoller Präsident

Daniel Ortega bringt seine Landsleute in Lebensgefahr.

Von Benedikt Peters

Man stelle sich vor, die Bundeskanzlerin wäre zuletzt Mitte März gesichtet worden. Fünf Wochen später hätte sie dann aus dem Nichts heraus eine Fernsehansprache gehalten, ohne auf ihr Verschwinden einzugehen. Und ihre Botschaft hätte gelautet: Wir werden diese Pandemie schon überstehen, irgendwie, mit Gottes Beistand.

In Deutschland hätte das vermutlich keine Regierung überstanden. In Nicaragua hingegen scheint Staatschef Daniel Ortega damit durchzukommen - vermutlich auch, weil er bei früheren Gelegenheiten gezeigt hat, dass er bereit ist, Proteste blutig niederschlagen zu lassen. Kaum ein Land in Lateinamerika agiert in der Corona-Krise so verantwortungslos wie Nicaragua. Die Regierung ruft zu Massenkundgebungen auf, Konzerte finden statt und auch Fußballspiele. Die Begründung, die der irrlichternde Ortega dafür liefert, sind die niedrigen Fallzahlen. Deren Ursache aber ist höchstwahrscheinlich, dass die Regierung kaum auf das Virus testen lässt.

Nicaraguas Gesundheitssystem ist für zentralamerikanische Verhältnisse vergleichsweise gut. Doch es ist schnell überfordert, wenn sich die Pandemie verstärkt. Durch seinen laxen Kurs spielt Daniel Ortega mit dem Leben Tausender Menschen. Er zeigt einmal mehr, dass er ein Staatschef ist, der seinem Land Unheil bringt.

© SZ vom 17.04.2020

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