USA:Eine sichere Sache

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Bürgermeisterwahl in New York

Möchte seit Jahrzehnten Bürgermeister werden und wird es wohl auch: Eric Adams (l.) mit Herausforderer Curtis Sliwa.

(Foto: Eduardo Munoz/dpa)

Demokrat Eric Adams hat gute Aussichten, neuer Bürgermeister von New York zu werden. Er will der Polizei das Budget kürzen, trotzdem hat der exzentrische Republikaner Curtis Sliwa kaum eine Chance.

Von Christian Zaschke, New York

Eine der spannenderen Fragen des Wahlkampfs um den Posten des New Yorker Bürgermeisters war die, wie viele Katzen der republikanische Kandidat Curtis Sliwa genau besitzt. Die gewöhnlich gut informierte New York Times schreibt beharrlich, Sliwa lebe mit 16 Katzen in seinem 35-Quadratmeter-Apartment in Manhattan. Andere Quellen berichten jedoch, der Kandidat besitze lediglich 15 Katzen. Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte vor der Wahl an diesem Dienstag widersprach Sliwa zumindest nicht, als er auf seine 15 Katzen angesprochen wurde. Womöglich liegt die Times also ausnahmsweise falsch. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass die Zeitung es besser weiß als der Kandidat.

Dass der exzentrische Sliwa der nächste Bürgermeister von New York wird, ist unwahrscheinlich. Der demokratische Kandidat Eric Adams führt in sämtlichen Umfragen deutlich. Entsprechend selbstbewusst und siegesgewiss ist Adams in den vergangenen Tagen und Wochen aufgetreten.

In seinem Fall war die interessanteste Frage vielleicht, wo er tatsächlich wohnt. Gerüchteweise lebt er heimlich im benachbarten New Jersey. Als er Reportern seine New Yorker Wohnung vorführte, fanden diese Fleisch im Kühlschrank. Adams ist Veganer. Sie vermuteten daher, Adams könnte ihnen das Apartment seines Bruders gezeigt haben. Diese Frage dürfte sich jedoch bald erledigt haben. Sollte er die Wahl gewinnen, zieht er in die Gracie Mansion ein, die Villa des Bürgermeisters in Manhattan.

Dass der Wahlkampf auch von solchen Banalitäten bestimmt wurde, liegt daran, dass der eigentliche Wahlkampf bereits im Sommer stattgefunden hat, als es darum ging, wen die Demokraten aufstellen. Adams hat sich damals durchgesetzt, und seitdem ist im Grunde klar, dass er Bill de Blasio als Bürgermeister ablösen wird. Die Republikaner wissen das, was wohl erklärt, dass sie mit einem Kandidaten wie Sliwa in die Wahl gehen: Es ist ohnehin egal, wer antritt.

Immerhin gibt das Sliwa einige Freiheit. Er gehört zu den wenigen Republikanern, die sich offen vom ehemaligen Präsidenten Donald Trump distanzieren. Das Gros der Partei hat diesbezüglich zu viel Angst. Wie sehr der abgewählte Trump die Republikaner immer noch im Griff hat, ist ein Faszinosum: Viele von ihnen blicken furchtsam auf ihn wie auf einen Schulhofschläger, der jederzeit seinen nächsten Ausbruch haben könnte. Da ist Sliwa eine Ausnahme. Er sagt: "Die Leute sehen, dass hier jemand antritt, der nicht die Fahne von Trump hochhält. Dass hier jemand antritt, der unabhängig ist und die Subway benutzt."

Mit Politik hatte Sliwa vorher wenig am Hut

Die Subway spielt in der Tat eine bedeutende Rolle im Leben des 67 Jahre alten Sliwa. Er hat 1979 die Guardian Angels gegründet, eine Gruppe von Freiwilligen, die sich um mehr Sicherheit in der damals notorisch gefährlichen U-Bahn kümmerte. Bis heute trägt er die rote Baskenmütze, die das Erkennungszeichen der ehrenamtlichen Wächter war. Davon abgesehen hatte er mit Politik nicht viel am Hut. Eine Weile war er als Demokrat registriert, und eine Zeit lang engagierte er sich in einer Splitterpartei namens Reform Party. Um ein öffentliches Amt hatte er sich bis zu diesem Jahr jedoch nie beworben.

Das unterscheidet ihn maßgeblich von Eric Adams, der seit Langem in der Politik aktiv ist. Er saß als Senator im Parlament des Bundesstaats New York, derzeit ist er Präsident des Stadtteils Brooklyn. Bürgermeister will der 61-Jährige nach eigener Aussage seit Jahrzehnten werden.

Vor seiner Zeit in der Politik war Adams Polizist, weshalb sich auch die konservativeren New Yorker Wähler für ihn erwärmen können. Sie erhoffen sich von ihm eine Stärkung der Polizei, nicht zuletzt, weil während der Pandemie die Zahl der Gewaltverbrechen in der Stadt zugenommen hat.

Allerdings könnten sich diese Hoffnung als trügerisch erweisen. Zwar äußert sich Adams freundlich über die ehemaligen Kollegen, er befürwortet jedoch einen Beschluss des Stadtrats, der in diesem Sommer verfügt hatte, das Budget der Polizei um eine Milliarde Dollar zu kürzen. Das führt bei den Beamten ebenso zu Unmut wie die Tatsache, dass der amtierende Bürgermeister de Blasio eine Impfpflicht angeordnet hat. Laut Medienberichten ist rund ein Drittel der New Yorker Polizisten nicht geimpft, was zu erheblichen Personalengpässen führen könnte.

Spektakel hat Adams nicht zu bieten

Sliwa hat trotz der Aussichtslosigkeit seiner Kampagne bis zuletzt alles gegeben. Am Wochenende stürmte er auf dem Weg zu einem Radiointerview, ohne nach rechts oder links zu schauen, über die Straße und wurde von einem Taxi erfasst. Er fiel zu Boden, rappelte sich auf, rannte weiter und gab das Interview. Anschließend brachten ihn seine Helfer ins Krankenhaus, wo sich herausstellte, dass er sich den Arm gebrochen hatte.

Derlei Spektakel hatte Adams nicht zu bieten. Er betonte zuletzt, wie wichtig es sei, bewusst zu atmen. Einatmen, sagte er, und ausatmen. Es sei bemerkenswert, wie einen das zur Ruhe bringe.

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