Neuwahl in NRW:Schwarz-grüne Gedankenspiele sind so gut wie ausgeschlossen

Unabhängig vom Wahlergebnis sind für die CDU allemal personelle Konsequenzen absehbar: Bundesumweltminister Norbert Röttgen tritt in Düsseldorf als Spitzenkandidat an. Wenn er sich für den Fall, dass er nicht Ministerpräsident wird, eine Rückkehr-Option nach Berlin offenhält, dürfte das seine Position schon im Wahlkampf schwächen - schlag nach in den Erlebnissen von Renate Künast, der grünen Spitzenkandidatin in Berlin, die ebenfalls angekündigt hatte, nur im Falle eines Wahlsiegs in die Landespolitik wechseln zu wollen. Das Ergebnis: Künast sitzt als geschwächte Fraktionsvorsitzende weiter im Bundestag.

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In Nordrhein-Westfalen müssen sie nun zeigen, dass sie Wahlen gewinnen können: Umweltminister Norbert Röttgen (links) als CDU-Spitzenkandidat, Vizekanzler Philipp Rösler als FDP-Chef.

(Foto: dpa)

Geht Röttgen aber nach Düsseldorf, muss sich Merkel einen neuen Umweltminister suchen. Und das mitten in der Energiewende, einem der wenigen ambitionierten Projekte der Koalition. Eine mögliche Nachfolgekandidatin für Röttgen wäre die frühere baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner. Sie ist derzeit als Chefin der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit im Gespräch, der neuen Agentur für Entwicklungspolitik, was aber ohnehin auf wenig Begeisterung stößt.

"Für uns ist das gut."

In der Bundes-SPD ist die Stimmung am Mittwoch entspannt bis gelöst, jedenfalls bei denen, die in Berlin sind. Sigmar Gabriel, der Parteichef, tourt gerade durch den Nahen Osten. Frank-Walter Steinmeier, in seinem Brandenburger Wahlkreis unterwegs, lässt erklären, er sei sicher, die Menschen in Nordrhein-Westfalen würden "Hannelore Kraft und ihre rot-grüne Landesregierung mit deutlicher Mehrheit im Amt bestätigen". Einer aus der Fraktionsführung sagt trocken: "Für uns ist das gut."

Ein durchaus wahrscheinlicher Wahlsieg für Rot-Grün in Düsseldorf wäre ein treffliches Signal auch für den Bund, so die Interpretation. Auch was die Kanzlerkandidatur betrifft? Drei Männer, die noch nie eine Wahl gewonnen haben - und eine Frau, die im größten Bundesland, einst auch als Herzkammer der Sozialdemokratie bezeichnet, die Macht erringt. Mit interessanten Debatten wäre zu rechnen.

Als besonders angenehm empfinden es die Sozialdemokraten in Berlin auch, dass die Grünen in Düsseldorf sich nach zwei Jahren Regierung mit der SPD schwerlich von der gemeinsamen Regierung und deren Bilanz absetzen können. Schwarz-grüne Gedankenspiele, derer nicht nur die Grünen in NRW, sondern gerade auch CDU-Mann Norbert Röttgen immer wieder verdächtigt wurde, sind damit faktisch ausgeschlossen.

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