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Neuseeland:Sieg der Transparenz

Premier Ardern gewinnt, weil sie Klartext redet.

Von Felix Haselsteiner

Neuseeland mag ein kleiner Inselstaat sein, der für seine Schafpopulation eher bekannt ist als für seine Rolle in der Weltpolitik. Doch lässt sich aus den 49,1 Prozent der Stimmen, die Premierministerin Jacinda Ardern bei der Parlamentswahl erhalten hat, eine Schlussfolgerung ziehen, die auch auf globaler Ebene Beachtung finden sollte: Klarheit und Offenheit im Regierungsstil wird in Pandemie-Zeiten besonders belohnt.

Arderns historisches Ergebnis ist auch mit ihrer Reaktion auf die Covid-19-Pandemie zu erklären. Fünf Prozentpunkte Rückstand auf die National-Party hatte Labour in Umfragen Ende Februar, nun waren es 22,3 Prozentpunkte Vorsprung. Dabei beschnitt auch Ardern die Freiheiten der Bevölkerung und steuerte das Land durch die Pandemie mit einer restriktiven und protektionistischen Politik, die nicht allen gefiel.

So wenig vergleichbar ein Inselstaat im Südpazifik und ein Land im Zentrum Europas sein mögen: Arderns Prinzipien im Krisenmanagement stünden weltweit der Politik gut zu Gesicht. Sie erklärte die notwendigen Härten im Umgang mit der Pandemie, führte exakte Stufenpläne ein und setzte dem Land Ziele. Das verschaffte der Bevölkerung Klarheit und schuf Vertrauen in die Politik und ein Gemeinschaftsgefühl. Ardern verdankt dieser Politik ihren Wahlsieg.

© SZ vom 19.10.2020
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