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Neues Grünen-Personal:Endlich oben - und nun?

Bundesparteitag Grüne

Das neue grüne Spitzenduo: Simone Peter und Cem Özdemir.

(Foto: dpa)

Peter für Roth, Hofreiter für Trittin, Göring-Eckardt für Künast. Der Führungswechsel bei den Grünen offenbart zwei Dinge: Die Alten waren nicht so schlecht, wie man sie macht. Und die Jüngeren haben zum Teil noch viel zu lernen.

Ein Kommentar von Christoph Hickmann, Berlin

Bei den Grünen ist in den vergangenen Jahren ein Wort ganz groß in Mode gewesen: Generationenwechsel. Nach der nächsten Wahl, hieß es, da müssten nun aber wirklich mal die Jungen ran oder jedenfalls die Jüngeren. Von den Alten habe die breitere Öffentlichkeit allmählich genug, man könne sie langsam nicht mehr sehen, die Roths, Trittins und Künasts. Hieß es.

Doch es dauerte, Gelegenheiten verstrichen, bis man beinahe dachte, die Erfahrenen blieben ewig dran. Nun, nach der Niederlage, ist es doch so weit: Die Jungen, die jetzt nicht mehr wirklich jung sind, müssen ran. In der Fraktion, in der Partei. Beim Parteitag am Wochenende konnte man das neue Personaltableau erstmals komplett besichtigen. Seither weiß man: Es wird nicht einfacher für die Grünen.

Da ist zum einen Katrin Göring-Eckardt, die neue Fraktionschefin. Sie hat mittlerweile so viele Wendungen hingelegt, dass man nicht mehr recht zu sagen vermag, wo sie gerade steht, geschweige denn morgen stehen wird. Aber sie ist wenigstens vom Auftreten her Profi, und sie hat auch schon mal regiert - zumindest mittelbar, als Chefin der Bundestagsfraktion.

Auch Simone Peter, die beim Parteitag mit 75,9 Prozent zur neuen Bundesvorsitzenden gewählt wurde, hat schon mal regiert, sie war Umweltministerin im Saarland. Die promovierte Mikrobiologin mag viel von erneuerbaren Energien verstehen, aber ihre Rede beim Parteitag war ungefähr so mitreißend wie ein Dokumentarfilm über die Herstellung von Butterbrottüten. Man will sie ja gar nicht mit Claudia Roth vergleichen, aber von einer neuen Parteichefin darf man schon ein bisschen mehr erwarten.

Dann gibt es da noch Cem Özdemir. Von Generationenwechsel kann man in seinem Fall nicht sprechen, er ist schon lange dabei. Er war Bundesvorsitzender und ist es weiterhin, der Parteitag bestätigte ihn (wenn auch lediglich mit 71,4 Prozent) - aber das liegt zu einem guten Teil auch daran, dass es keinen überzeugenden Gegenkandidaten gab.

Und Anton Hofreiter, der zweite Fraktionschef? Schaffte es vom Rednerpult aus, die Delegierten mitzureißen. Er wird nicht ewig vom Bonus des "erfrischenden Neuen" profitieren können, aber das hat er vom Potential her auch nicht nötig.

An die Leute mit langer Erfahrung reicht noch keiner von ihnen so richtig heran. Nicht an Roth, nicht an Trittin. Insofern wird jetzt noch einmal deutlich, warum der Generationenwechsel so lang ausgeblieben ist. Es lag nicht nur an der Beharrungskraft der Alten, sondern auch daran, dass die Reihe hinter ihnen nicht so dicht besetzt ist. Und diejenigen, die das Format hätten, so wie der Hesse Tarek Al-Wazir oder Robert Habeck aus Schleswig-Holstein, wollen lieber in ihren Ländern regieren, als von Berlin aus die Partei wieder aufzurichten.

Man muss neuen Spitzenfiguren immer eine Chance geben, und zu einer echten Chance gehört vor allem Zeit. Davon gibt es jetzt auch erst mal genug. Von diesem Sonntag an wird das Interesse an den Grünen rapide sinken. Regieren werden schließlich aller Wahrscheinlichkeit nach andere.

© SZ.de/mikö/lala

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