Neuer Plagiatsverdacht Netz-Gemeinde wird in Guttenberg-Aufsatz fündig

416 plagiatsverdächtige Stellen auf 29 Seiten: Verteidigungsminister zu Guttenberg scheint nicht nur bei seiner Doktorarbeit abgekupfert zu haben, sondern auch in einem Aufsatz. In einer Stellungnahme an sueddeutsche.de widerspricht Guttenbergs Büro vehement dem neuerlichen Plagiatsvorwurf.

Seit Tagen zerlegen die Helfer der Internet-Plattform GuttenPlag Wiki die Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg. Inzwischen haben andere Web-Aktivisten sich ein weiteres Werk des Verteidigungsministers und CSU-Politikers vorgenommen - und sind erneut fündig geworden. Bei dem Werk handelt sich um einen Aufsatz, den Guttenberg angeblich im Jahre 2004 für die CSU-nahe Hans-Seidel-Stiftung verfasst hat.

Bei diesem 29-Seiten-Opus mit dem Titel "Beziehungen zwischen der Türkei und der EU" handelt es sich wohlgemerkt nicht um eine wissenschaftliche Arbeit - das betont auch das Abgeordneten-Büro zu Guttenberg in einer schriftlichen Stellungnahme an sueddeutsche.de.

Der Verfasser erscheint auf ähnliche Weise vorgegangen zu sein wie bei der Doktorarbeit: Er bediente sich laut Spiegel Online munter anderer Quellen, übernahm Passagen fast wortwörtlich. Demnach habe sich der Autor bei einem Strategiepapier der EU bedient, aber auch bei dem Diskussionspapier dreier Bundestagsabgeordneter der CDU/CSU, ohne die wörtlichen Übernahmen zu kennzeichnen.

Ein Guttenplag-Rechercheur sagte Spiegel Online, 47 Prozent des Essays stimmten mit anderen im Internet zu findenden Quellen überein. Von "416 plagiatsverdächtigen Fundstellen" war die Rede, darunter "auch etliche, bei denen sich die Übereinstimmung nur auf kurze Halbsätze und Formulierungen bezieht".

Gerade hier hakt das Abgeordnetenbüro Guttenbergs ein: "An einzelnen Sätzen bzw. Satzbestandteilen oder Wörtern besteht kein Urheberschutz", heißt es in der Stellungnahme. Der Begriff Plagiat sei unter anderen auch aus diesem Grund "falsch". Zudem handelte es sich bei den verwandten Quellen vorwiegend um Zwischenberichte oder Mitteilungen der Europäischen Kommission sowie um Beschlüsse des Rates. "Es ist davon auszugehen, dass diese als amtliche Werke i.S.d. § 5 UrhG nicht dem Urheberschutz unterliegen", schreiben die Mitarbeiter Guttenbergs. "Von einem Plagiat könne daher auch aus diesem Grund keine Rede sein".

Guttenberg büßt Sympathie ein - und bleibt beliebtester Politiker

Als Konsequenz aus den Plagiatsvorwürfen hat der Verteidigungsminister in Umfragen deutlich Sympathiepunkte eingebüßt. Zwar konnte der CSU-Politiker in dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer seinen Rang als beliebtester Politiker verteidigen, den er bislang mit deutlichem Abstand führte. Mit einem Durchschnittswert von 1,4 (nach 2,0 Anfang Februar) wurde er aber inzwischen von Kanzlerin Angela Merkel fast eingeholt.

Nur Unterschiede "im Hundertstelbereich" rechtfertigten den ersten Platz für Guttenberg, teilte das ZDF mit. Auf Platz drei folgt unverändert SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, danach kommt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Auf dem letzten Platz liegt weiterhin Außenminister Guido Westerwelle. Der FDP-Vorsitzende hat allerdings deutlich zugelegt und kommt auf den besten Wert seit fast einem Jahr.

Getuschel von FDP-Oberen

Nur 22 Prozent der Befragten vertrat allerdings die Meinung, Guttenberg solle wegen der Affäre zurücktreten, drei Viertel (75 Prozent) verneinen dies. 42 Prozent sehen durch die Vorwürfe die Glaubwürdigkeit Guttenbergs dauerhaft beschädigt. 60 Prozent halten den Minister zukünftig noch für höchste politische Ämter geeignet. Für das Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen zwischen dem 22. und 24. Februar insgesamt 1306 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte.

Beim Koalitionspartne FDP wächst derweil die Unzufriedenheit über Guttenberg und den Umgang mit der Krise. Führende Liberale beklagten das Krisenmanagement, wollten sich aber nicht namentlich äußern. So wurde Unverständnis darüber laut, dass Guttenberg offenbar anfangs angenommen habe, mit der Doktorarbeit bestehen zu können.

Zugleich wurde darauf verwiesen, dass die Reputation und Glaubwürdigkeit der gesamten Koalition auf dem Spiel stehe. Die Kanzlerin wie auch die CSU hätten sich jedoch klar zu Guttenberg bekannt, daher gelte in der Koalition das Solidaritätsgebot.

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