Neuer Piratenchef Bernd Schlömer Einer, der reden will

Bernd Schlömer ist neuer Chef der Piraten. Die Wahl des bisherigen Stellvertreters von Sebastian Nerz zeigt einerseits das Bedürfnis der Piraten nach Kontinuität - andererseits ist sie ein Kurswechsel: Schlömer will sich zumindest in einem Punkt von seinem Vorgänger unterscheiden.

Eine Analyse von Hannah Beitzer, Neumünster

Auf den ersten Blick wäre Jürgen Erkmann der perfekte Kandidat für die Piraten gewesen. Die Partei will nicht auf Köpfe setzen, sondern auf die Basis. Der Vorstand soll bei ihnen nur verwalten, keinesfalls die politische Linie vorgeben. Und Erkmann, der wollte eigentlich gar nicht kandidieren, erzählt er in der Vorstellungsrunde. Aber dann hätten ihn ein paar Mitglieder überredet. Bescheidenheit kommt gut an bei den Piraten.

Der bisherige Vize-Chef ist neuer Ober-Pirat: Bernd Schlömer

(Foto: Carsten Rehder/dpa)

Erkmann ist seit 2007 in der Partei, inzwischen politischer Geschäftsführer im Landesverband Hessen. Welche Linie würde er als Vorsitzender fahren? "Nur, was die Partei sagt, wird aus meinem Mund kommen", sagt er. Die Basis ist alles, die Führung ist nichts.

Doch nicht Erkmann, sondern der bisherige Vize-Vorstand Bernd Schlömer gewinnt die Wahl. Die Piraten entscheiden sich für Kontinuität anstelle eines Führungswechsels.

Schlömer gilt als ruhig und diplomatisch, bisher hielt er sich im Vorstand eher im Hintergrund. Drei Ziele will er verwirklichen. Politik soll verständlicher werden. Die Aufgabe der Piraten sei es, die Menschen für politisches Engagement zu begeistern. Außerdem müssten die Politneulinge an ihrem Programm arbeiten - "an Positionen, die uns einen". Und dabei, zuguterletzt, "gelassen und bescheiden bleiben".

Auf dem zweiten Platz hinter Schlömer landete dessen Vorgänger Sebastian Nerz. Schlömer macht gleich klar, dass er dessen Kurs des stetigen "Dazu-haben-wir-noch-keine-Position" nicht weiter verfolgen wird.

"Ich glaube, dass es als Politiker nicht richtig ist, meinungslos zu sein", sagt Schlömer nach seiner Wahl. Man müsse schließlich "Werben für die Politik" und für die Partizipation. Er werde deswegen als Vorsitzender versuchen, die politische Entwicklung der Partei zu beschreiben.

Ganz anders als Nerz, der bei seiner Bewerbungsrede noch davon sprach, dass das ohne geeignete Methoden, auch zwischen Parteitagen Beschlüsse zu finden, einfach schwierig sei, sich zu äußern. Es sei nicht die Aufgabe des Vorstands, die Öffentlichkeit über die Tätigkeit von Arbeitsgruppen zu informieren.

Bernd Schlömer sieht das hingegen als seine Pflicht. Die Piraten haben sich mit seiner Wahl zum Vorsitzenden für einen Kurswechsel entschieden. Der ein oder andere Shitstorm ist Schlömer sicher - aber unter seinem Vorsitz könnte die Partei inhaltlich an Kante gewinnen.