Neue SPD-Troika:Wir halten zusammen

Mit Dreierkonstruktionen hat die SPD keine guten Erfahrungen gemacht: Brandt, Schmidt und Wehner - arbeiteten am Ende nur noch gegeneinander. Lafontaine, Schröder und Scharping - in herzlicher Abneigung verbunden. Warum also soll es jetzt klappen, mit einer Troika aus Steinbrück, Steinmeier und Gabriel? Die Antwort hat viel mit der neu entdeckten Freude des Parteichefs an der Ernsthaftigkeit zu tun.

Susanne Höll

Wie schwierig der Zusammenhalt in einer Dreiergruppe ist, weiß man aus Kindertagen. Manchmal herrscht Eintracht, oft aber machen zwei gemeinsame Sache gegen den Dritten im Bunde. Der ist beleidigt, nimmt übel, trampelt die Sandburg kaputt - und schon herrschen Zank und Hader. Trios, das sagt die Lebenserfahrung, sind selten Brutstätte harmonischer Beziehungen.

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Eine neue Troika für die SPD? Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, SPD-Parteichef Sigmar Gabriel und der Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier (v.l.).

(Foto: dpa)

Deswegen wundert man sich über die Eigenart der Sozialdemokraten, das Dreigestirn zu einer Art politischem Strukturprinzip zu erheben. Den meisten anderen Parteien sind solche Konstellationen fremd. Die Union käme niemals auf die Idee, sich ein Führungstrio zu geben. Die Konservativen misstrauen jeder Art von Kollektiv, sei es auch noch so klein.

In der SPD heißt das Trio Troika. Und die war, wie man heute weiß, keineswegs immer ein Erfolg. Das erste Dreigestirn, bestehend aus dem Parteivorsitzenden Willy Brandt, Fraktionschef Herbert Wehner und Kanzler Helmut Schmidt funktionierte zunächst gut, war zuletzt aber von Antipathie und Misstrauen beherrscht.

Hier sitzen Verbündete, keine Rivalen

Gerhard Schröder, Rudolf Scharping und Oskar Lafontaine, die nächste Troika, gönnten sich wechselseitig nicht die Butter auf dem Brot. Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel weiß sehr wohl um diese Verwerfungen der Vergangenheit - und kürt dennoch ein neues Team, holt Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück eng an seine Seite. Ihr gemeinsamer Auftritt war ein Signal der drei einzigen ernsthaften Anwärter auf die Kanzlerkandidatur 2013. Die Botschaft lautete: Hier sitzen Verbündete, keine Rivalen. Zumindest letzteres ist nicht gelogen. Die drei sind keine Konkurrenten, jedenfalls nicht um die Kanzlerschaft.

Diese drei eint, dass von ihnen keiner von dem absoluten Wunsch beherrscht zu sein scheint, ganz nach oben zu kommen. Das unterscheidet sie von Schröder und auch Lafontaine. Steinbrück würde sicher gern Kanzler sein, kann sich aber auch ein anderes Leben vorstellen. Steinmeier wiederum erweckt den Eindruck, er würde nur dann Kanzler werden wollen, wenn es denn unbedingt sein müsste.

Und Gabriel? Der würde sicherlich antreten, wenn er denn Aussicht auf Erfolg sähe. Er sieht diese Aussicht aber nicht, zumindest nicht im Jahr 2013. Deshalb wird es seine Aufgabe sein, den nächsten Kanzlerkandidaten in der SPD durchzusetzen, egal, wer es wird.

Gabriels neue Ernsthaftigkeit

Das neue Trio ist der Vorbote der Kandidatenentscheidung im kommenden Jahr. So wie es aussieht, wird vor allem Gabriel von der Troika profitieren. Denn dem Vorsitzenden spricht man, nicht immer zu Unrecht, die Fähigkeit zur Ernsthaftigkeit ab, die die Menschen von ihren Politikern in schwierigen Zeiten erwarten. Steinbrück und Steinmeier verkörpern diese Seriosität. Sie wird auf Gabriel abfärben.

Ein wenig von deren Abgeklärtheit ist inzwischen auch in den Vorsitzenden Gabriel eingekehrt. Er hat seine Bereitschaft zur Kooperation mit der Bundesregierung in der Schuldenkrise erklärt und damit versprochen, auf parteitaktische Spiele im Bundestag zu verzichten. Dass sich die SPD-Bundestagsfraktion vergangenes Jahr sowohl beim Rettungspaket für Griechenland als auch beim Euro-Schutzschirm im Plenum der Stimme enthielt, war seinem Drängen geschuldet und hatte die SPD in Misskredit gebracht; ihren Vorsitzenden auch.

Auf halber Strecke zur Bundestagswahl verheißt die neue, inoffizielle SPD-Führung jene Verantwortung, die man von der Opposition in anderen EU-Staaten einfordert. Wenn die SPD ihr Versprechen hält, kluge Vorschläge zur Bewältigung der Krise macht und die Bundesregierung bei Rettungskonzepten stützt, dann nützt sie nicht in erster Linie Angela Merkel, sondern dem Land, Europa und sich selbst. Denn sie zeigt dann jene Verantwortungsbereitschaft, die eine künftige Regierungspartei braucht.

© SZ vom 20.07.2011/olkl
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