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Frankreich:Sarkozy versucht es mit Härte

"Wer mich liebt, der folgt mir": Nicolas Sarkozy (Mitte) glaubt, dass er der Einzige ist, der den Front National bei der Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich stoppen kann.

(Foto: AFP)

Kleinkriminelle will er in den Knast stecken, Terrorverdächtige internieren. Nicolas Sarkozy präsentiert sich als Mann von Recht und Ordnung - und hofft so, erneut Präsident zu werden.

Demütig wollte er klingen. Und einsichtig, so als habe der Aspirant in den Jahren seit dem Rückzug aus der lauten Politik etwas dazugelernt über die Welt. Und über sich selbst. Ausgerechnet Konfuzius, Chinas antiken Philosophen, bemühte Nicolas Sarkozy, als er zu Jahresbeginn sein Buch "La France pour la vie" (Frankreich fürs Leben) vorstellte. "Der Bogenschütze ist das Modell eines Weisen", zitierte Frankreichs Ex-Präsident den Lehrmeister von Gleichmut und Harmonie, "wenn er die Mitte des Zieles verfehlt, so sucht er die Ursache bei sich selbst."

Sarkozy zeigte Reue, bedauerte Fehler seiner Regierung ("Ich habe zu viel auf einmal angefangen") wie seines Charakters ("Mit mehr Abstand erkenne ich nun, dass ich anderen auf die Nerven gehen konnte"). Mea culpa, insgesamt 27 Mal. Der Zweck dieser öffentlichen Beichte war offensichtlich: Sarkozy bat um die Gnade seiner Landsleute - und suchte ihre Absolution für einen neuen, den zweiten Anlauf zur Macht. Nun ist es so weit: Der 61-jährige Tatmensch kündigte seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2017 an.

Überrascht hat das niemanden im Land. Spätestens seit dem Herbst 2014, seitdem Sarkozy sich zurückmeldete auf der nationalen Bühne und den Vorsitz seines politisch wie finanziell bankrotten Wahlvereins namens UMP übernahm, wussten die Franzosen: Der Mann will zurück in den Élysée-Palast. Sarkozy taufte die Partei um zu "Les Républicains", besetzte Schlüsselposten mit Getreuen, die nun den Apparat auf Linie halten sollen. Neuer Parteichef wurde am Dienstag der konservative Laurent Wauquiez, beinhart rechter Volkstribun und republikanischer Jungstar.

Der neue Sarkozy ist der Alte

Erstaunlich ist, wie schnell Sarkozy die konfuzianische Weisheit seines Bogenschützen vergessen hat. Von jener Mitte, die der frühere Präsident noch vor acht Monaten verhieß, ist nichts mehr übrig. Stattdessen hat er in einem weiteren Buch ("Tout pour la France") auf 230 Seiten so eindeutig wie einseitig einen strammen Rechtsschwenk vollzogen.

Der neue Sarkozy ist der Alte, nur gedopt: Terrorverdächtige würde er in Internierungslager stecken, bis 2022 will er jedwede Einwanderung aufs Festland stoppen, und die Migranten möchte er in die Schranken weisen, indem er Kopftücher oder salafistische Gewänder auch von Universitäten und Arbeitsplätzen verbannt. "Es ist Zeit, einen entschlossenen Kampf gegen Multi-Kulti zu führen", schreibt Sarkozy, denn: "Die Franzosen leiden unter der Tyrannei der Minderheiten."

Das klingt, als habe Sarkozy bei Marine Le Pen abgekupfert, der Chefin des Front National. Genau das soll es auch. Der Ex-Präsident fischt am rechten Rand, er will jene Millionen Franzosen zurückgewinnen, die der Rechtspopulistin seit 2012 zugelaufen sind und deren "Bewegung" - im jeweils ersten Wahlgang - zuletzt mehrmals zur "ersten Partei Frankreichs", so ein FN-Slogan, werden ließen.

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