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Neu-Ministerin Kristina Köhler:Lob vom Professor

Das ist alles nichts Ehrenrühriges. Doktorarbeiten müssen zwar "selbständig" erstellt werden, aber das bezieht sich auf die Frage des geistigen Eigentums. Es ist völlig legitim, sich dafür einer vorhandenen Infrastruktur zu bedienen.

Das ging bei Köhler so weit, dass ein wissenschaftlicher Mitarbeiter ihres Doktorvaters Falter die sieben, beziehungsweise zehnseitigen Fragebögen an die CDU-Mitglieder und CDU-Bundestagsabgeordneten gestaltet, die Daten aus den Fragebögen in den Coputer eingegeben hat und die Dissertation "komplett layoutet und formatiert" hat, wie Köhler freimütig schreibt. Das Ganze gegen Bezahlung, auf Mini-Job-Basis.

Ein eingekaufter Luxus, von dem andere Doktoranden nur träumen können. Sie müssen sich meist wenigstens für die Schlussredaktion der Arbeit vier bis fünf Wochen Zeit nehmen.

Die hatte Köhler nicht. Zwei bis drei Tage im Monat habe sie sich nehmen können, um an der Doktorarbeit schreiben zu können, berichtet ihr Büroleiter Eike Alexander Letocha. Mehr war nicht drin. Dazu seien zwei Wochen im Sommer gekommen - statt Urlaub. Entsprechend zog sich das Projekt Doktorarbeit auf gut fünf Jahre hin.

"Ihr Zeitmanagement ist sehr gut"

Helfer Letocha ist auch mit Dank bedacht worden. Er habe über die Jahre hinweg ihr Bundestagsbüro so organisiert, "dass mir Zeit zur Arbeit an dieser Dissertation blieb". Doktorvater Falter sagt über Köhler, sie sei intellektuell und analytisch. "Ihr Zeitmanagement ist sehr gut", lobt der Professor.

So hat sich Köhler ein engmaschiges Netzwerk aus Uni, Politik und privatem Umfeld aufgebaut. Ohne diese Unterstützung "läge diese Dissertation jetzt noch nicht vor", schreibt Köhler.

Gewidmet ist die Arbeit ihren Eltern, die die Arbeit Korrektur gelesen hätten. Zu den Unterstützern gehört auch ihr Lebensgefährte Ole Schröder. Der sechs Jahre ältere CDU-Mann aus Pinneberg ist seit der Regierungsneubildung Staatssekretär im Innenministerium. Er habe diese Arbeit "von Anfang an begleitet", schreibt Köhler. Jede wichtige Aussage dieser Arbeit habe sie "mit ihm diskutiert". Das Resümee sähe ohne ihn anders aus. "Ihm verdankt diese Dissertation sehr viel."

Auch Angela Merkel kann ihm danken. Sie konnte so vergangenen Freitag zwar eine erst 32 Jahre alte und kinderlose, dafür aber eine "Dr." Kristina Köhler als neue Familienministerin präsentieren.

Und das macht doch wirklich etwas her.

© sueddeutsche.de/gba
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