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Netanjahus Wahlsieg:In der Wagenburg erscheint das westliche Bedürfnis nach Harmonie bedrohlich

Von dieser Wagenburg, in die Netanjahu sein Volk gelotst hat, führt kein Weg mehr zu den Positionen der Amerikaner oder Europäer. Sie mögen glauben, dass Israel zur Lösung seiner Probleme den Frieden mit den Nachbarn suchen müsse. Doch in der Wagenburg erscheint dieses westliche Bedürfnis nach Harmonie, Verhandlungen und fairen Lösungen bestenfalls naiv, eher bedrohlich.

Wie also können Israels Freunde und Verbündete mit einer solchen Regierung, mit einem solchen Land umgehen? Am besten mit Realismus statt mit Wunschdenken. Klar ist, dass es keinen Zweck hat, immer wieder von außen einen Friedensprozess anzustoßen, der ohne Resonanz bleiben muss. Möglich ist unter solchen Umständen allein das Konfliktmanagement, also der Versuch, schlimme Eskalationen zu vermeiden.

Die Partner haben das Recht, sich abzugrenzen

Nötig ist dann aber auch eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem israelischen Verbündeten, in dem Streitigkeiten wie die um den Siedlungsbau offen ausgetragen werden - in den bilateralen Beziehungen ebenso wie im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die Partner haben das Recht, sich abzugrenzen. Es ist kein Verrat an Israel, Distanz zur Regierung Netanjahu zu demonstrieren. Im Gegenteil: Das sind die Verbündeten nicht nur ihrer eigenen Glaubwürdigkeit schuldig, sondern auch jenen vielen Israelis, die nicht Netanjahu gewählt haben.

Es bleibt die Hoffnung, dass irgendwann einmal auch diese Ära vorübergeht. Zunächst einmal aber ist Netanjahu für weitere vier Jahre gewählt worden. Am Ende dieser Zeit wird er auf 13 Amtsjahre kommen und mit Ben-Gurion gleichziehen können. Doch unter ihm als Premier ist auf das Licht viel Schatten gefallen.

© SZ vom 19.03.2015/fie
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