Netanjahu in den USA:Der Bruch mit Obama

Die Freundschaft zwischen den USA und Israel, das wird oft genug betont, ist unverbrüchlich. Die Beziehung zwischen dem US-Präsidenten und dem israelischen Premier aber ist voller Brüche. Das wird nun auch in der Einschätzung des arabischen Frühlings deutlich. Denn wo Obama erkannt hat, dass er den Wandel nicht aufhalten kann, sondern ihn mitgestalten muss, gibt sich Netanjahu der Illusion hin, dass er die Sache erst einmal aussitzen kann.

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Sturm auf Israels Grenzen: Israels Armee konnte die Demonstranten vor einigen Tagen nur mit Waffengewalt und um den Preis mehrerer Toter abwehren.

(Foto: Getty Images)

Wie gefährlich diese Illusion ist, hat sich in dieser Woche gleich mehrfach gezeigt. In Ägypten richtete sich der Furor der Massen plötzlich nicht mehr gegen die heimischen Missstände, sondern wandte sich reflexartig gegen den verhassten Nachbarn. Die Botschaft der Krawallmacher vor Israels Botschaft ist eindeutig: Der Frieden, den der gestürzte Präsident Hosni Mubarak hochgehalten hat, ist in Gefahr.

Das zweite Alarmsignal kommt von der seit fast 40 Jahren friedhofsruhigen Grenze zu Syrien, wo Israels Armee einen Ansturm von Demonstranten nur mit Waffengewalt und um den Preis mehrerer Toter abwehren konnte. Hier hat Präsident Baschar al-Assad auf dem Golan ein Warnschild aufgestellt: Bedrängt vom heimischen Aufruhr könnte er die Wut seines Volkes nach außen lenken - und sich mit einem Krieg gegen Israel Entlastung schaffen.

Das sind bedrohliche Szenarien, und sie allein sollten reichen als Beleg für die Linie von Obama, Merkel und Co.: Der arabische Aufbruch - egal, ob er zum Ziel führt oder stecken bleibt - macht einen Friedensschluss zwischen Israel und den Palästinensern nur noch dringlicher. Doch statt endlich aktiv mit ihren Freunden zusammenzuarbeiten, wartet die Regierung in Jerusalem mit größtmöglicher Ignoranz auf eine weitere Welle, die schon bald auf sie zurollen könnte: ein neuer palästinensischer Aufstand.

Diese Intifada wird gewiss anders sein als ihre Vorgänger. Ausgelöst werden könnte sie im September, wenn Präsident Machmud Abbas in der Vollversammlung der Vereinten Nationen die Anerkennung des Palästinenser-Staats zur Abstimmung stellen will. Praktische Auswirkungen wird das nicht haben, weil allein der Sicherheitsrat den Weg zur Anerkennung eines Staates empfehlen kann. Endgültig anerkennen können sich am Ende zwar nur Staaten. Aber der Propaganda-Effekt einer großen Sympathiebekundung der UN-Vollversammlung wäre für die Palästinenser enorm.

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