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Neonazis und Islamfeindlichkeit:"Probiert doch mal Schweineköpfe!"

Wie kann man den Bau einer Moschee verhindern? Ein österreichischer Rechtsextremer hat da einen Tipp an bayerische Nazis: Den Baugrund mit Schweineblut entweihen, schreibt er in einer der Mails, die der NPD vor kurzem abhandengekommen sind. Es gab wohl einen konkreten Vorfall in Linz.

Es war für die NPD ein Desaster: Der Partei sind im Februar dieses Jahres 60.000 interne Mails abhandengekommen. Seither kommen immer neue Details über Strategien und offenen Rassismus in der Partei ans Licht.

NPD und ProNRW demonstrieren in Duisburg

Protest von Anhängern der rechtsextremen NPD in Duisburg: Die rechtsextreme Partei  beschwört seit längerer Zeit gerne Ängste vor "Islamisierung".

(Foto: ddp)

Eine dieser internen Korrespondenzen enthält einen brisanten "Tipp" aus Österreich an die Adresse der bayerischen NPD: Es geht darum, den Bau einer Moschee zu verhindern. Genau das will die NPD in Vöhringen bei Neu-Ulm, wo sich der Kreisverband Neu-Ulm/Günzburg im vergangenen Jahr mit einem Anti-Moscheen-Pamphlet in die Debatte um den Bau der dortigen Moschee eingeschaltet hat. Die Kameraden im oberösterreichischen Linz kennen eine ähnliche Situation: Dort sorgt ein Gelände für Aufregung, auf dem ein islamisches Kulturzentrum entstehen sollte.

Der Tipp aus Oberösterreich: Das Gelände mit Schweineköpfen und -blut entweihen. In einer Mail, die sueddeutsche.de und der Tageszeitung Österreich vorliegt, schreibt ein Vorstandsmitglied der rechtsextremen österreichischen Nationalen Volkspartei (NVP) an den NPD-Kreisverband Neu-Ulm/Günzburg, die Kameraden sollten "doch mal Schweineköpfe" ausprobieren, sobald sie das Baugrundstück in Erfahrung gebracht hätten. "Sozusagen als Willkommensgruß *frechgrins*", fügt er hinzu.

Der österreichische Neonazi bezieht sich in seiner Mail auf einen Vorfall in Linz von Silvester 2007. Damals hatten Unbekannte Dutzende Schweineköpfe auf Stecken gespießt, in Bäume gehängt, oder Blut und abgeschnittene Schweineohren auf dem Gelände verteilt, auf dem das islamische Kulturzentrum entstehen sollte. Die Aktion habe ihre Wirkung nicht verfehlt, schreibt der Österreicher weiter, das Grundstück sei dadurch "entweiht" worden. Der strategische Vorteil für die rechte Seite: Das eigene Risiko halte sich in Grenzen, "mehr als Umweltverschmutzung dürfte da nicht drin sein".

Es wäre ja nicht das erste Mal, dass sich die deutschen Rechtspopulisten Inspiration aus anderen Ländern holten: Seit Ende 2009 etwa setzt die rechtsextreme NPD unter dem Motto "Danke, Schweiz!" auf das Thema Minarett-Verbot - in Kombination mit einem Flugblatt, auf dem anstelle eines Minaretts eine idyllische Berglandschaft zu sehen ist.

"Erinnerungen an eine dunkle Zeit"

Überhaupt beschwört die rechtsextreme Szene zurzeit bei ihrem Klientel gerne Bilder von aus dem Boden sprießenden Minaretten: Zu Beginn des Jahres veröffentlichte der Online-Blog Deutschlandecho seine eigene Version des Spiels "Minarett Attack" - geklaut von der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), die die Idee wiederum von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) abgekupfert hat.

Der Vorfall in Linz von Silvester 2007 ist bis heute nicht geklärt. Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), Anas Schakfeh, zeigt sich entsetzt: "Unappetitlich und verletzend" sei dies. "Das weckt Erinnerungen an eine dunkle Zeit." Er rief die Behörden zur Aufklärung und Verfolgung des Vorfalls auf: "Es braucht ein Zeichen gegen die wachsende Islamfeindlichkeit, die immer salonfähiger wird."

Gegen die rechtsextreme Nationale Volkspartei ermittelt die Staatsanwaltschaft Linz seit August 2009 wegen des Verdachts der NS-Wiederbetätigung. Anders als die NPD ist die 2007 gegründete NVP bislang noch bei keiner Wahl angetreten: 2009 wurde sie von Gemeinderats- und Landtagswahlen ausgeschlossen.

Inzwischen hat die NVP auf die Vorwürfe reagiert und auf ihrer Webseite eine Mitteilung veröffentlicht, in der sie jegliche Verbindung mit dem Vorfall in Linz im Jahr 2009 abstreitet. Allerdings macht sie keinen Hehl aus ihrer Haltung: Sie spricht von einer Aktion "mutiger Bürger". Und eine weitere Bemerkung kann sie sich am Ende der Mitteilung nicht verkneifen: "Nachsatz: Die Moschee in Linz wurde nie gebaut!"

© sueddeutsche.de/gba

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