Neonazi Molau verlässt die Szene Ein rechter Vordenker will plötzlich versöhnen

Mehr als 20 Jahre lang galt Andreas Molau als rechtsextremer Intellektueller, konnte aber weder bei NPD, DVU oder Pro-NRW eine führende Rolle einnehmen. Nun will er raus aus der Szene, nimmt mit dem Verfassungsschutz Kontakt auf und bittet um eine zweite Chance. Auch als Lehrer.

Von Sebastian Gierke

Zum Interview musste er sich nicht groß umziehen: Adrett, im rot-weiß karierten Hemd, ohne Krawatte, eine unauffällige Brille auf der Nase, erschien Andreas Molau zum Gespräch mit dem NDR. Äußerlich war er nie ein typischer Rechtsextremist. Seine Gedankenwelt war allerdings spätestens seit seinem 16. Lebensjahr, als er in die Jugendorganisation der NPD eintrat, von völkischem, nationalem und rassistischem Denken bestimmt.

Andreas Molau als Spitzenkandidat der rechtsextremistischen NPD im Jahr 2007. Er will aus der Szene aussteigen.

(Foto: dapd)

28 Jahre lang war Andreas Molau Teil einer von Hass geprägten Szene, zuletzt engagierte er sich bei der islamfeindlichen Gruppierung Pro-NRW. 28 Jahre lang hat Andreas Molau sich davon leiten lassen. Er war der Wolf im Schafspelz, der jetzt behauptet, den Wolf gezähmt zu haben. Im Interview mit dem NDR erklärte der 44-Jährige, die Verbindungen zu seinen ehemaligen Gesinnungsgenossen abgebrochen und Kontakt zum niedersächsischen Verfassungsschutz aufgenommen zu haben.

Ein solcher Schritt gilt in der rechtsextremen Szene als Verrat und ist damit unumkehrbar. Der Verfassungsschutz hat dem NDR die Kontaktaufnahme bestätigt.

"Ich habe eine klare Trennung gezogen in meinem Beruf und in meinem Privatleben", sagt Molau. Seine Parteibücher habe er zurückgegeben, Arbeitsverträge gekündigt, Kontakte abgebrochen. Dann attackiert er in dem Interview seine ehemalige Partei. Die Schweriner Landtagsfraktion der NPD sei eine "völkische Talibantruppe", dem NPD-Bundesvorstand bescheinigt er weitgehenden Realitätsverlust.

Ob Molau möglicherweise auch deshalb aussteigen will, weil er für sich keine Chance mehr sieht, in der Szene eine herausgehobene Stellung zu erlangen, bleibt Spekulation. In rechtsextremen Kreisen war jedenfalls zuletzt kaum noch Interesse an seiner Person vorhanden. Er sei einfach nicht radikal genug, hieß es.

Trotzdem hat den Ausstieg "kaum jemand erwartet", sagt der Journalist und Rechtsextremismus-Experte Andreas Speit. "Molau gehört der Szene seit Teenagerzeiten an, das kann man nicht so schnell aus dem Kopf bekommen."

Molau galt in der NPD lange als Hoffnungsträger, als Vordenker. Weil der eloquente Lehrer alle Klischees unterlief, trauten ihm viele zu, mit seinen rechtsextremen Botschaften auch bürgerliche Schichten zu erreichen. "Das ist ein Mann, der auf der Straße den Bürger ansprechen kann", sagte einst der damalige NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt über ihn.

"No-go-Areas für Dönerbuden, das wäre herrlich"

Gegenüber Journalisten klangen Molaus Reden meist moderat, oft verharmlosend. Seine menschenverachtende Ideologie versuchte er damit weit in die Gesellschaft hineinzutragen. Doch Molau konnte auch anders. "No-go-Areas für Dönerbuden und ihre Besitzer, das wäre herrlich", brüllte er bei einer NPD-Veranstaltung Kameraden entgegen. Ganz außerordentlich freuen würde er sich, wenn in Deutschland Bereiche vorhanden wären, "wo es keine Schwarzen gibt". Offensiv propagierte Molau "Ausländerrückführungsprogramme".

Allerdings war der 44-jährige Familienvater nie die intellektuelle Führungsfigur der Szene, zu der ihn einige Medien erklärt hatten, sagt Andreas Speit. "Er war keiner, der innerhalb einer Partei die Strippen zog. Es gelang ihm zum Beispiel nicht, Mehrheiten für sich zu organisieren." Molau sei aufgrund seines gewinnenden Auftretens als einflussreicher wahrgenommen worden, als er in der Szene tatsächlich gewesen sei.