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Nebeneinkünfte von Politikern:Fuchs' Darstellung sieht anders aus

Fuchs hat damit wahrscheinlich sogar recht. Der Bundestag hat inzwischen alle Vortragsmeldungen von Fuchs überprüft - mit einem überraschenden Ergebnis: Offenbar hat Fuchs nie eine explizit falsche Angabe gemacht, trotzdem wurde im Bundestagshandbuch die falsche Firma ausgewiesen.

Glaubt man der Darstellung des Bundestags, hat Fuchs bei der Meldung seines ersten Vortrags in der letzten Legislaturperiode "Hakluyt, London" angegeben - das wäre nur unvollständig, aber nicht falsch. Warum der Bundestag dann in seinem Handbuch fälschlicherweise die Geografen-Gesellschaft "Hakluyt Society, London" ausgewiesen hat, lasse sich "auch nach Aktenauswertung und Befragung der mit der Angelegenheit befassten Mitarbeiter nicht aufklären", schreibt Ministerialdirigent Frank Sobolewski vom Bundestag.

In der laufenden Legislaturperiode hat Fuchs dann bei seiner ersten Vortragsmeldung sogar den exakten Namen "Hakluyt&Co, London" angegeben. In seinen weiteren Meldungen stand dann wieder "Hakluyt". Trotzdem veröffentlichte die Bundestagsverwaltung weiter den falschen Namen "Hakluyt Society". Der Ministerialdirigent muss deshalb eingestehen, dass sich nicht ausschließen lasse, dass der Fehler "auf ein Versehen in der Bearbeitung durch die Bundestagsverwaltung zurückzuführen ist".

Abendessen mit Vorständen großer Unternehmen

Vor einer Woche korrigierte der Bundestag die Angaben auf seinen Internetseiten. Aber warum ist Fuchs nicht aufgefallen, dass auf den Seiten jahrelang die falsche Firma stand? "Das ist der einzige Vorwurf, den ich akzeptiere", sagt er jetzt. "Ich hatte das nicht gemacht, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass ich die Bundestagsverwaltung kontrollieren müsse."

Bleibt der Vorwurf gegen Christdemokraten, Geld von einer dubiosen Firma zu nehmen. Aber auch der ficht den Abgeordneten nicht an. "Alle Leute, mit denen ich da zu tun habe, sind honorigst", sagt er. Zu den Abendessen, bei denen die Reden gehalten würden, seien Vorstände großer Unternehmen eingeladen. Das seien "reine Informationsgespräche, bei denen sich Firmen etwa für die Situation in Deutschland oder den Euro interessieren".

Außerdem sei er beileibe nicht der einzige Politiker, der da auftrete. So sei er einmal eingeladen gewesen, "zusammen mit Mario Monti eine Rede zu halten". Im Beirat der Firma säßen Ex-Nato-Generalsekretär Javier Solana und Ex-BDI-Chef Hans-Peter Keitel.

Und überhaupt: "Von der über zehn Jahre zurückliegenden Greenpeace-Überwachung und der Gründung durch ehemalige MI6-Mitarbeiter habe ich erst durch die jetzige Debatte erfahren", sagt Fuchs. Er habe sich deshalb "nichts vorzuwerfen" und werde "natürlich weiter Vorträge bei Hakluyt halten". Na dann.

Lobbyismus-Vorwürfe gegen CDU-Politiker

"Die Nebeneinkünfte des Herrn Fuchs sind doppelt dubios"

Unionsfraktionsvize Fuchs sieht sich wegen üppig bezahlter Vorträge bei einer Londoner Gesellschaft heftiger Kritik der Opposition ausgesetzt. Grüne und Linke wollen wissen, warum Fuchs so viel Geld für seine Reden bekommen hat.   Von Robert Roßmann, Berlin