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Naturschutz:Schluss mit Schuss

Wenn der Adel zur Jagd lädt, dann ist auch schon mal Naomi Campell bei der Sause mit dabei. Rot-Grün in Schleswig-Holstein denkt da anders - warum Bismarcks Nachfahren jetzt das Jagen verboten wird.

Von Peter Burghardt

Es gibt in Deutschland noch Adelsgeschlechter, denen Wälder, Schlösser und Jagdreviere gehören. Der Kanzler Otto von Bismarck zum Beispiel bekam 1871 von Kaiser Wilhelm I. den Sachsenwald im Osten von Hamburg spendiert, nachdem er das Deutsche Reich gegründet hatte. Der Beschenkte ließ sich in Friedrichsruh am Rande der Besitzungen nieder und ruht seit 1898 im Mausoleum; seine Nachfahren leben noch in dem Beritt. Ihre Schwarzwildjagden in zwei eingezäunten Terrains sind legendär, vor ein paar Jahren wurde nachher eine lustige Party mit Gästen wie Naomi Campbell und Olivier Sarkozy gemeldet. Nun kommt die bundesrepublikanische Neuzeit dazwischen.

Jetzt beschloss der rot-grün regierte Kieler Landtag eine Änderung des Naturschutzgesetzes, demnach darf innerhalb von Gattern in Schleswig-Holstein nicht mehr gejagt werden. Das Gatterverbot gilt zwar bereits seit 1999, für real existierende Gelände allerdings wurde eine Schonfrist von 15 Jahren eingeräumt. Diese lief 2014 aus, doch die Bismarcks ließen die Zäune trotz Abbaubescheids stehen und legten gemeinsam mit einem anderen Betreiber Einspruch ein. Jetzt müssten sie ihre geschlossene Schießgesellschaft endgültig auflösen. Das Hamburger Abendblatt zitiert das aktuelle Familienoberhaupt Gregor von Bismarck mit den Worten, dass da "eine 140-jährige Tradition zu Ende" gehe.

Auf ihr Gewohnheitsrecht berufen sich die Erben des eisernen Otto, außerdem hat die Posse aus dem Forst der Geschichte mit Geld zu tun. Die Jagd scheint sich zu lohnen, das lassen die Teilnehmer vermuten, und das gab Gregor von Bismarck zu verstehen. Man wisse, "dass verschiedene gesellschaftliche Gruppen" der Jagd und Gattern kritisch gegenüberstünden, berichtete der Graf im vergangenen Jahr den Lübecker Nachrichten. Ein Foto zeigte ihn mit Jägerhut, Gewehr, Fernglas und Hund im Schießstand. "Auf der anderen Seite gibt es eine große Anzahl von Jägern, die unser Angebot sehr schätzen."

Zur ersten Gruppe gehören unter anderem Schleswig Holsteins grüner Umweltminister Robert Habeck, der Jagdgatter "im Zeitalter des Feudalismus" verortet, sowie seine Kollegin Marlies Fritzen: "Das Gesetz gilt für alle, auch für die Bismarcks." Dies sei Trophäenjagd, bei der Jäger für einen gewissen Preis ziemlich sicher ein Reh oder Wildschwein erlegten. Mit artgerechter Jagd habe das nichts zu tun. Ein Ökologe vom Naturschutzbund sagte es so: "Das ist ein Jagdbordell."

Bismarcks Anwalt Florian Asche dagegen schrieb den Abgeordneten sein Unverständnis darüber, "dass jede Aufforstung, jeder Golfplatz, jede Gemüsekultur gegattert werden darf", nicht jedoch die Jagd seiner Mandanten. Dies sei sogar "tierschutzwidrig", erläuterte er der Süddeutschen Zeitung, wobei die Tierschutzorganisation Peta die Bismarcks 2015 verklagte. Anwalt Asche verweist auf Ausnahmeregelungen für die Gatterjagd und will notfalls bis vor das Verfassungsgericht ziehen. Zwischen Zäunen gejagt werden darf ansonsten anderswo, nicht jede solcher Jagden endet glücklich. Spaniens damaliger König Juan Carlos brach sich bei einer Elefantenjagd in Botswana mal die Hüfte. Und das Leben des Bayern Franz Josef Strauß endete vor der Hirschjagd bei Thurn und Taxis.

© SZ vom 29.04.2016
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