Naturkatastrophen:Die Welt als Werkstatt

Lesezeit: 3 min

Die Katastrophen auf der Welt spiegeln wider, was die Wissenschaft über die Folgen des Klimawandels schon lange prognostiziert. Und wie reagiert die Politik? Die betrachtet die Welt als Werkstatt.

Michael Bauchmüller

Wieder ist alles neu. Die Flut in Pakistan, sechs Millionen Menschen im Kampf ums Überleben - ohne Beispiel. Die wochenlange Dürre in Russland, Feuer überall im Land - nie dagewesen. Erdrutsche in China, die ganze Dörfer verschwinden lassen, Regenfälle, die nicht enden wollen - das hat es dort seit langem nicht gegeben.

Weltuntergang

Es ist der Sommer der Naturkatastrophen: Feuer und Wasser, Dürre und Flut - sie kommen daher wie Boten einer neuen, einer unangenehmen Zeit.

(Foto: Fotos: dpa, Reuters, AFP)

Und in Brandenburg und Sachsen sind die Schäden des letzten Hochwassers noch nicht besichtigt, da kündigt sich schon das nächste an. Das Wort vom "Jahrhunderthochwasser" mag im Südosten der Republik ohnehin schon niemand mehr verwenden, dafür hat es sie zuletzt einfach zu oft gegeben. Feuer und Wasser, Dürre und Flut - sie kommen daher wie Boten einer neuen, einer unangenehmen Zeit.

Gut möglich, dass es einfach nur ein ganz eigenartiger Sommer ist, in dem sich ein Hochdruckgebiet über Russland verkeilt, während andernorts immer neue Unwetter aufziehen. In ihrer Ausprägung aber spiegeln die Katastrophen exakt die Prognosen der Wissenschaft über die Auswirkungen des Klimawandels wider. Zunehmende Temperaturen lassen Dürren wahrscheinlicher werden.

Das Gleiche gilt paradoxerweise für heftigen Regen. Ist die Luft wärmer, verdunstet mehr Wasser. Irgendwo muss es niedergehen, nur eben heftiger als gewohnt. Die Extreme werden häufiger, und sie liegen dichter beieinander: Wo eben noch Dürre war, kann übermorgen schon ein Starkregen die Felder vernichten. In der einen Region können die Keller unter Wasser stehen - in der Nachbarregion wässern die Menschen ihre Gärten. So gesehen, wirken die Nachrichten dieser Tage wie aus dem Jahr 2040. Behält die Wissenschaft recht, dann ist jene Generation, die den Klimawandel mit all seinen Extremen am eigenen Leib zu spüren bekommt, schon längst geboren.

Und wie reagiert Politik überall auf der Welt? Sie repariert. Pakistan erhält Zelte, Lebensmittel und Medikamente, Russland zusätzliche Löschflugzeuge, China baut neue Dörfer auf und entlang von Neiße und Elbe wachsen irgendwann die Deiche. Es ist das Mindeste, was Regierungen anbieten können, es hilft den Notleidenden und beugt, wenn schon nicht der nächsten Katastrophe, dann doch wenigstens deren Verheerungen vor.

Nur liegt darin wenig Hoffnung, solange Politik nicht die Wurzeln des Problems aufgreift. Dazu müsste sie in komplexen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung denken, sie müsste jede Planung, jedes Gesetz in ein Gesamtsystem einbetten.

Das ist die Stärke von Politik nicht, weder in demokratischen noch in autoritären Systemen. So erklärt sich, warum in Deutschland munter weiter Flächen versiegelt werden, obwohl das den Abfluss großer Regenmengen nur erschwert, warum vielerorts Deiche die einzige Antwort auf Hochwasser sind, obwohl sie die Wassermassen nur in andere Regionen transportieren. Jeder menschliche Eingriff in die Umwelt zieht den nächsten gleich nach sich. Es ist das Wesen eines Systems, das allein auf Reparatur beruht.

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