Nato US-Demokraten geißeln Trumps Attacke gegen Deutschland

  • US-Präsident Trump bekräftigt seine Kritik an den aus seiner Sicht zu niedrigen Verteidigungsausgaben der anderen Nato-Mitglieder.
  • Der US-Präsident hatte Deutschland zudem wegen der Pipeline Nord Stream 2 kritisiert. Nach einem Versöhnungsgespräch mit der Kanzlerin legt er auf Twitter nach.
  • Die Chefs der US-Demokraten kritisieren Trumps Aussagen als spalterisch und werfen ihm Nähe zu Russland vor.

Die Attacken von US-Präsident Trump gegen Deutschland beim Nato-Gipfel haben scharfe Kritik der Opposition in Washington hervorgerufen. Trumps "schamlose Beleidigungen sowie die Verunglimpfung eines der standhaftesten Verbündeten von Amerika" seien eine "Peinlichkeit", erklärten die Chefs der Demokraten in Repräsentantenhaus und Senat, Nancy Pelosi und Chuck Schumer.

Das Verhalten des Präsidenten sei ein weiteres "tief verstörendes Signal" dafür, dass er gegenüber dem russischen Staatschef Wladimir Putin loyaler sei als gegenüber den Nato-Partnern, merkten die beiden Oppositionschefs an.

Trump hatte bei einem Frühstück mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg eine mehrminütige Tirade gegen Deutschland losgelassen. Trump hatte Deutschland unter anderem wegen der Abhängigkeit von russischen Öl- und Gaslieferungen als "Gefangenen Russlands" bezeichnet.

"USA geben zu viel aus. Europas Grenzen sind SCHLECHT!"

Merkel ließ Trumps Vorwürfe nicht gelten. Sie betonte mit Blick auf die frühere DDR, sie habe selbst erlebt, dass ein Teil Deutschlands von der Sowjetunion kontrolliert worden sei und sei "sehr froh, dass wir heute in Freiheit vereint sind". Sie unterstrich auch die großen Anstrengungen Deutschlands für die Nato und die USA etwa im Afghanistan-Einsatz. Nach dem Schlagabtausch trafen sich Trump und Merkel zum Einzelgespräch und verbreiteten anschließend Harmonie. Trump nannte die Beziehungen zu Deutschland "hervorragend" und sein Verhältnis zur Kanzlerin "sehr, sehr gut". Auch Merkel betonte, der Austausch sei "wichtig, weil wir Partner sind und weiter zusammenarbeiten wollen".

Schon wenig später meldete sich Trump aber auf Twitter wieder mit derselben Kritik an Deutschland und der Forderung, die Verbündeten müssten sofort mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das Militär ausgeben und nicht erst 2025.

In einem späteren Tweet legt er nochmal nach: "USA geben zu viel aus. Europas Grenzen sind SCHLECHT! Pipeline-Dollar an Russland sind nicht akzeptabel!"

Wenige Stunden später keilte er gegen die Bundesregierung: "Deutschland hat gerade angefangen, Milliarden Dollar für die Deckung seines Energiebedarfs an Russland zu zahlen, dem Land, vor dem sie beschützt werden wollen. Nicht akzeptabel!" Langfristig müsse jedes Nato-Mitglied nicht nur zwei, sondern sogar vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts zahlen.

Die rund 1200 Kilometer lange Pipeline Nord Stream 2 soll russisches Erdgas über die Ostsee nach Mittel- und Westeuropa transportieren. Die USA sehen Europa indes als wichtigen Markt für ihr eigenes Flüssiggas. Mit den Attacken auf das deutsch-russische Projekt macht Trump nach dem Streit über den Klimaschutz, das Iran-Atomabkommen, über Strafzölle und Autoimporte aus Deutschland eine weitere transatlantische Konfliktlinie auf.

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