Nato: Historie:Umstrittenes Bündnis

Im Kalten Krieg gegründet, wird die Nato zum Feindbild der Abrüstungsbewegung, überdauert den Eisernen Vorhang und definiert sich im Anti-Terror-Kampf neu: 60 Jahre in Bildern.

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Anti-Nato-Demonstranten mit einer Geburtstagstorte, Heddergott

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Im Kalten Krieg gegründet, wird die Nato zum Feindbild der Abrüstungsbewegung, überdauert den Eisernen Vorhang und definiert sich im Anti-Terror-Kampf neu: 60 Jahre in Bildern.

Umstrittener Geburtstag: Anfang April feiert die Nato ihr sechzigjähriges Bestehen im Rahmen eines großen Gipfels in Baden-Baden und Straßburg. Schon zuvor kündigen sich massive Proteste gegen das transatlantische Bündnis an. Die Nato selbst ...

Anti-Nato-Demonstranten bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2009 mit einer überdimensionalen Geburtstagstorte/ Foto: Andreas Heddergott

Texte: Irene Helmes/gba/bgr

Logo Nato-Gipfel 2009, dpa

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... präsentiert sich offensiv als Friedensmacht, unter dem Motto "Securing our Future". Das Treffen der 26 Mitgliedsstaaten soll ein selbstbewusstes Bündnis zeigen. Zwei neue Mitglieder - Kroatien und Albanien - werden zum Jubiläum aufgenommen. Anwesend ist auch US-Präsident Barack Obama, der seinen ersten Europabesuch seit seinem Amtsantritt absolviert. Am Protokoll wird seit Monaten gefeilt. Mitgastgeber Frankreich kehrt nach mehr als 40 Jahren voll in die militärischen Strukturen der Nato zurück. Und nicht zuletzt will sich das Bündnis zum symbolträchtigen Datum eine neue Strategie geben.

Logo des Nato-Gipfels am 3. und 4. April 2009/ Foto: dpa

Gründung der Nato, dpa

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Am 4. April 1949 gründen zwölf Staaten auf Initiative der USA die Nordatlantische Vertragsorganisation, kurz Nato. Neben den USA und Kanada treten Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Island, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Portugal bei.

Das Bündnis soll seinen Mitgliedern Schutz bieten. Artikel 5 des Gründungsabkommens legt dementsprechend fest: "Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird."

Zeremonie zur Unterzeichnung des Nordatlantikpakts in Washington D.C. am 4. April 1949/ Foto: dpa

Hammer und Sichel, AFP

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Zwischen den ehemaligen Alliierten hat sich seit der Befreiung Nazi-Deutschlands ein Graben aufgetan. Die militärische Macht der Sowjetunion und die Ausdehnung ihres Einflussbereichs wird von den westlichen Staaten als Bedrohung empfunden.

Die Nato entwickelt dagegen eigene Strategien. 1950 beschließt sie zunächst die "Forward strategy", die im Fall eines Krieges einen Angriff so weit im Osten wie möglich abwehren soll.

1957 folgt die "Schwert-Schild-Doktrin": Sie unterscheidet zwei Varianten: Begrenzte Angriffe sollen durch konventionelle Streitkräfte abgewehrt werden - nukleare "Schwertkräfte" sollen nur im Falle einer massiven Aggression zum Einsatz kommen.

1968, im Jahr der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags, nimmt das Bündnis die Strategie der "Flexible response" an, die keine Automatismen mehr vorsieht.

Poster mit einer Abbildung des Vaterländischen Verdienstordens der Sowjetunion/ Foto: AFP

Demonstration gegen Wiederbewaffnung in München 1955, dpa

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1955 wird zu einem entscheidenden Jahr im Kalten Krieg - die Frontlinien werden immer deutlicher.

Schon seit Jahren treibt Bundeskanzler Konrad Adenauer die Westintegration der Bundesrepublik voran - die Idee eines "Wehrbeitrags" inklusive. Widerstand gegen die Wiederbewaffnung zieht sich quer durch die Nachkriegsgesellschaft - vergebens. Im Mai 1955 wird die Bundeswehr gegründet, am 9. Mai tritt die BRD der Nato bei.

Fünf Tage danach gründen acht Ostblockstaaten den Warschauer Pakt.

Vor dem Hintergrund des Nato-Beitritts der BRD demonstrieren Gewerkschafter 1955 in München gegen die deutsche Wiederbewaffnung/ Foto: dpa

Statue von Charles de Gaulle, AP

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Konflikte innerhalb der Nato bleiben im Lauf der Jahre nicht aus. So stört sich Frankreich unter der Präsidentschaft von General Charles de Gaulle an der Übermacht der USA.

Die Atommacht Frankreich will die Kontrolle über ihr eigenes Arsenal behalten und löst sich 1966 aus der Militärstruktur der Nato. Politisch bleibt das Gründungsmitglied jedoch in das Bündnis integriert. Erst im März 2009, kurz vor dem 60. Nato-Jubiläum, kündigt Nicolas Sarkozy die vollständige Rückkehr Frankreichs in die Strukturen der Nato an.

Denkmal für Charles de Gaulle auf der Avenue des Champs-Élysées in Paris/ Foto: AP

Pershing-II-Mittelstreckenrakete, AP

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Die späten sechziger und frühen siebziger Jahre bringen eine Phase relativer Entspannung zwischen Ost und West. Eine Art Patt zwischen den Atommächten verhindert zunächst weitere Eskalation - ein stabileres Gleichgewicht zwischen den Blöcken soll erreicht werden.

Mitte der siebziger Jahre erneuert der Warschauer Pakt seine auf Westeuropa gerichteten Raketen durch eine neue Generation, die SS-20-Mittelstreckenraketen - gefährlicher und mit höherer Reichweite als die Vorgängermodelle.

Die Nato reagiert im Dezember 1979 mit ihrem berüchtigten "Doppelbeschluss", der die Aufstellung neuer nuklearer Mittelstreckenraketen in Westeuropa und eine Initiative zu neuen Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion vorsieht. Doch vor allem die Stationierung amerikanischer Pershing-II-Raketen ...

Start einer Pershing II ED-4-Mittelstreckenrakete von einer mobilen Abschussrampe 1983 in Ft. Bliss, Texas/ Foto: AP

Demonstration gegen Nachrüstung, dpa

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... sorgt im Westen in weiten Teilen der Bevölkerung für Aufruhr. Der Kampf gegen die Pershing-II-Raketen wird zu einem zentralen Anliegen der Friedensbewegung, die ihren Höhepunkt in den frühen achtziger Jahren findet. Im Milieu des Widerstands gegen die erneute Aufrüstung formiert sich unter anderem die spätere Partei der Grünen.

Doch alle Demonstrationen bleiben letztlich erfolglos: Ab Dezember 1983 werden die Raketen in der Bundesrepublik aufgestellt.

Bonn am 22.10.1983: Bundeswehrsoldaten nehmen trotz Verbots an einer Demonstration gegen die Nachrüstung teil/ Foto: dpa

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