Unter dem Druck der öffentlichen Meinung haben sich die 28 Nato-Länder zwar darauf geeinigt, ihre Kampftruppen spätestens im Jahre 2014 aus Afghanistan abzuziehen. Aber sowohl innerhalb der Allianz wie bei den Vereinten Nationen gibt es zunehmend Zweifel, ob das ein kluger Schritt ist.

Nachdem das Bündnis sich bei seinem Gipfel am Samstag in Lissabon auf den Termin für die endgültige Übergabe der Verantwortung für die Sicherheit an die afghanische Regierung festgelegt hatte, warnte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vor Illusionen. "Wir müssen uns von den Realitäten leiten lassen, nicht von irgendwelchen Zeitvorgaben", sagte er in Gegenwart des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen.
Der versicherte, dass die Nato auch nach 2014 in Afghanistan bleiben werde. Und zwar mit einer nennenswerten Anzahl von Soldaten, die die afghanische Armee ausbilden und beraten sollen. Man werde solange am Hindukusch bleiben, wie es nötig ist. "Wenn die Taliban glauben, dass sie uns aussitzen können, dann können sie das vergessen", sagte Rasmussen. Für die deutschen Soldaten bedeutet der Beschluss der Nato, dass sie auch nach 2014 auf möglicherweise unbestimmte Zeit in Afghanistan "präsent" sein müssen, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel einräumte. Allerdings in vermutlich verringerter Zahl.
Derweil lassen militärische Experten durchblicken, dass man angesichts der Sicherheitslage in Afghanistan auch nach dem Abzug der Kampftruppen 2014 noch mit "Spezialeinheiten" gegen die Aufständischen operieren müsse.
Denn auch wenn sich der nach Lissabon geeilte Karsai optimistisch zeigte, dass eine Übergangszeit von drei Jahren für seine Armee und seine Polizei ausreiche, die Sicherheit im Land zu garantieren, hegen manche Experten im Nato-Hauptquartier so ihre Zweifel. Außer die Hauptstadt Kabul ist es bislang noch nicht gelungen, irgendeine Stadt oder Region in die Sicherheitsverantwortung der afghanischen Armee zu übergeben. Die gilt als schlecht ausgebildet. Die durchschnittliche Trainingsdauer für Rekruten liegt bei acht Wochen, bevor sie in den Kampf geschickt werden.
Um nach der Phase der Übergabe der Verantwortung an die Afghanen "kein Vakuum" entstehen zu lassen, unterzeichneten Rasmussen und Karsai ein langfristiges Partnerschaftsabkommen, in dem die Nato Kabul einerseits Hilfe zusagt und andererseits versichert, es auch in Zukunft militärisch mit Rat und Tat zu unterstützen.