Nato-Gipfel:"Schwere Verschärfung"

Merkel lässt sich auf das Fernduell zum Thema Geld ein: "Was die Verteidigungsausgaben anbelangt", sagt die Kanzlerin, habe Deutschland in Zeiten des Kalten Krieges sehr häufig über zwei Prozent der Wirtschaftskraft in die Verteidigung investiert und dann "in der Tat sehr stark reduziert". Man sei nun aber bereit, nach den Nato-Beschlüssen von Wales 2014 die Verteidigungsausgaben zu steigern. "Das tun wir Jahr für Jahr - auch für 2018, auch für 2019. Und wir werden 2024 80 Prozent mehr ausgeben für Verteidigung, als wir das 2014 getan haben."

Ob das reicht? In Merkels Entourage ist man sich schon bewusst, dass es sich hier um eine "schwere Verschärfung" handelt. Die Empörung ist kaum zu zügeln über "all den Unsinn", den Trump von sich gebe. Gas, Russland, Budget - nichts von dem, was der Präsident sage, sei mit den Fakten in Einklang zu bringen. "Er ist der größte Verbreiter von Fake News", raunt einer.

Zeit zur Klärung gibt es: immerhin eine Stunde. Am Rande des Treffens haben sich Merkel und Trump verabredet. Man setzt sich im kleinsten Kreis zusammen, weiße Ledersessel, wieder dieser blaue Teppichboden. Und es ist erstaunlich: Die beiden sprechen ruhig und sachlich. Über Russland, die Ukraine, Syrien, den Handel, Flüchtlinge, Afrika. Kein Wort zum Beitragsstreit, keiner zum Gas. Eine Volte, wie sie für Trump typisch ist. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Die Botschaft ist eh in der Welt und beim Wähler, jetzt kann er wieder die "sehr, sehr gute Beziehung zur Kanzlerin", ja eine geradezu "großartige" Beziehung loben. Und Merkel: Eine "gute Partnerschaft" sei das mit den USA. Die ganze Lage ist, um es vorsichtig zu sagen, unangenehm - auch für den Nato-Generalsekretär.

Schon am Morgen hat er erfolglos versucht, den zornigen Trump zu besänftigen. Später scherzt er, dass sein Treffen mit Trump auch Vorteile gehabt habe. "Ich hatte exzellenten Orangensaft und etwas Toast und etwas Fruchtsalat", berichtet er. Es sei ein "gutes Frühstück" gewesen - "bezahlt von den Vereinigten Staaten". Doch am Ernst der Lage lässt er keinen Zweifel. "Meine Hauptaufgabe ist es, die 29 Alliierten zusammenzuhalten." Beim Rundgang durchs Nato-Hauptquartier steht Donald Trump übrigens stets abseits, den Worten des Generalsekretärs mag er nicht folgen, mal spricht er mit dem niederländischen Premier, dann mit dem türkischen Präsidenten. Mit dem setzt er sich auch demonstrativ ans Ende ab, als die Gruppe der Mächtigen zum Familienfoto zieht, angeführt von Stoltenberg und Merkel. Zwischen die deutsche Kanzlerin und den amerikanischen Präsidenten hat sich also nicht weniger als die gesamte Nato geschoben.

© SZ vom 12.07.2018/lalse
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB