Nato-Beweise für Truppenbewegungen "Russland liefert Verstärkung für die Separatisten, um die Dynamik zu drehen"

Für die jüngste Verschärfung und für das zuletzt immer offenere russische Eingreifen machen die Nato-Analytiker zwei Hauptgründe aus. Zum einen habe der Abschuss des malaysischen Verkehrsflugzeugs den Verantwortlichen in Moskau vor Augen geführt, wie gefährlich es ist, hochkomplexes Kriegsgerät in die Hände von schlecht ausgebildeten Männern zu geben.

Noch wichtiger aber: Die russische Seite musste eine Niederlage der Separatisten fürchten. Sie waren in den vergangenen Wochen immer stärker in die Defensive geraten und hatten mehr Unterstützung aus Moskau angemahnt. Nicht vergebens, wie die Nato überzeugt ist. "Russland liefert Verstärkung für die Separatisten, um die Dynamik zu drehen, die derzeit das ukrainische Militär begünstigt", urteilt Tak. Russlands Ziel sei es, Druck von den Separatisten zu nehmen, "um den Konflikt einzufrieren". Der Brigadegeneral ist überzeugt, dass die russische Seite tun wird, was immer ihr nötig erscheint, um eine Niederlage der Rebellen zu verhindern.

Mögliche neue Front im Süden bei Mariupol

Die Möglichkeiten der Russen sind dabei nach Nato-Einschätzung ziemlich umfassend. 20 000 russische Soldaten seien an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen worden. Ein Streitmacht, die eingesetzt werde, um die Ukraine unter Druck zu setzen. Besonders beunruhigt sind die Nato-Experten von Erkenntnissen über die Eröffnung einer neuen Front im Süden bei Mariupol, die es den ukrainischen Truppen noch schwerer machen dürfte, mit den Separatisten fertigzuwerden.

Die russischen Soldaten schrecken nach Nato-Einschätzung auch nicht davor zurück, direkt in Kampfhandlungen einzugreifen. Es habe offenkundig "Kontakt" zwischen russischen und ukrainischen Kampftruppen gegeben, sagt Tak. Von einer Invasion spricht er dennoch nicht. Es sei nicht Sache der Nato-Militärs, solch eine Einordnung vorzunehmen. Für die Nato handele es sich bislang um einen "Einfall" russischer Truppen ins Nachbarland. Der Brigadegeneral macht klar, dass er nun die Politiker am Zug sieht. Taks Satellitenaufnahmen allerdings dürften beim Nato-Gipfel nächste Woche eine Rolle spielen.