Nato:Der Nato droht die Erosion

Platinum Eagle 15 military exercise in Romania

Die Nato zeigt Präsenz in Osteuropa, hier bei einer Übung in Rumänien 2015.

(Foto: dpa)

Donald Trump könnte dem atlantischen Bündnis eine Existenzkrise bescheren. Es geht um nicht weniger als ihr höchstes Gut: die Glaubwürdigkeit.

Kommentar von Daniel Brössler

Im Januar werden mehrere Tausend amerikanische Soldaten in Bremerhaven an Land gehen und sofort nach Polen weiterverlegt, in die baltischen Staaten und nach Rumänien. Die zusätzliche Kampfbrigade soll die Grenzregionen des Nato-Gebiets stärken und dem Gefühl entgegenwirken, dass die Allianz einer zunehmenden Bedrohung aus dem Osten ausgesetzt sei. US-Präsident Barack Obama hat das schon vor Monaten so entschieden.

Nun, da die Soldaten eintreffen, dienen sie aber auch der Rückversicherung gegen eine ganz andere Art der Gefahr. Obama hat die Verlegung jedenfalls beschleunigt. So wird die Brigade an Ort und Stelle sein, noch bevor Donald Trump in Washington seinen Amtseid ablegt.

Die rasche Verlegung trägt in Brüssel bei zu einer Art kollektiver Autosuggestion. Nach dem ersten Schock, der auf den Wahlsieg von Donald Trump folgte, machen politische und militärische Entscheidungsträger sich und die Welt glauben, dass vom neuen amerikanischen Präsidenten keine ernsthafte Gefahr ausgeht für die Nordatlantische Allianz. Trumps Drohungen gegen säumige Alliierte aus dem Wahlkampf klingen noch nach, aber sie werden einfach neu interpretiert. Haben nicht auch Obama und seine Vorgänger mehr finanziellen Einsatz von den Verbündeten verlangt?

Die Gemeinschaft der Transatlantiker glaubt fest an sich selbst

Nun gut, kein US-Präsident vor Trump hat bisher den Beistand nach Artikel 5 infrage gestellt; Trumps Andeutung wird nun geflissentlich zum Ausrutscher verharmlost. In Brüssel laufen schon die Planungen für einen Nato-Gipfel im kommenden Jahr, der hauptsächlich den Zweck verfolgen wird, Trump so gründlich mit Freunden zu umzingeln, dass kein Risiko mehr von ihm ausgeht.

Die in Jahrzehnten gewachsene Gemeinschaft der Transatlantiker glaubt dabei fest an eine Größe, die sie für verlässlich hält: die in Jahrzehnten gewachsene Gemeinschaft der Transatlantiker. Mit Erleichterung ist in Brüssel aufgenommen worden, dass Trump einen Ex-General zum Verteidigungsminister machen will, der auch Nato-Posten bekleidet hat, die Allianz also kennt. Die Hoffnungen ruhen überdies auf der Macht und der Beharrungskraft des Establishments in Washington. Trost wird gesucht und sehr gerne auch gefunden in der vermeintlichen Gewissheit, dass Republikaner und Demokraten im Kongress Trump für den Fall Fesseln anlegen würden, dass er der Nato doch Schaden zufügen möchte.

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